Vom Zahlmeister zum Zukunftsmeister

Das Selbstbild Deutschlands als „Zahlmeister“ ist ein Mythos

Zusammenfassung

Deutschland, der Zahlmeister Europas? In der Debatte um Deutschlands Rolle in der EU hält sich hartnäckig der Glaube, Deutschland komme für die schwache Wirtschaft anderer Länder auf. Johannes Hillje und Christine Pütz gehen diesem Mythos in ihrer Studie auf den Grund und entwerfen auf Basis einer repräsentativen Umfrage und mehrerer Gruppendiskussionen ein Grundgerüst für ein neues, zeitgemäßes Selbstverständnis Deutschlands in Europa.

Die Studie zeigt: Das Selbstbild Deutschlands als „Zahlmeister“ ist ein Mythos. Ein mit Daten kaum zu belegender Mythos, der jedoch in der innenpolitischen Debatte aus unterschiedlichen Motivationslagen heraus immer wieder angeführt wird. Doch wie sehen die Deutschen das tatsächlich, was ist ihnen Europa wert? Ist diese merkwürdige europapolitische Furcht vor den deutschen Wählerinnen und Wählern gerechtfertigt?

Die Erhebung zeigt, dass die Deutschen durchaus ein Bewusstsein dafür haben, dass die EU-Mitgliedschaft einen großen Nutzen für sie hat. Die Mehrheit wünscht sich eine aktivereEuropapolitik und ist bereit, mehr in die Zukunft Europas und damit in die
eigene Zukunft zu investieren, wenn es denn um konkrete gemeinschaftliche Politikfelder geht.

Die wichtigsten Ergebnisse

  • Über 75 Prozent der Befragten wollen, dass sich Deutschland künftig aktiver in der EU und kooperativer gegenüber den europäischen Partnern verhält.
  • Die Deutschen sehen den Nutzen der EU-Mitgliedschaft in erster Linie politisch und in zweiter Linie wirtschaftlich: 76,6 Prozent sind der Meinung, dass Deutschland seine politischen Ziele eher mit als ohne die EU erreichen kann. 66 Prozent glauben, dass Deutschland unterm Strich wirtschaftlich mehr Vor- als Nachteile von der EU hat.
  • 51,1 Prozent meinen, dass Deutschlands Beitrag zum EU-Budget angemessen ist und 9,6 Prozent hält ihn für zu niedrig. Nur 36,4 Prozent ist der Meinung, dass Deutschlands Beitrag zu hoch ist.
  • Eine überwältigende Mehrheit der Deutschen – über 90% der Befragten – wünschen sich mehr gemeinsame Ausgaben insbesondere für Klima- und Umweltschutz, Forschung und Bildung, Verteidigung und Sicherheit sowie Arbeit und Soziales.

Die Studie wurde in den Jahren 2020 und 2021 erneut durchgeführt. Mehr Infos finden Sie auf den Projektseiten der jeweiligen Studien. 

Die Studie stieß auch in den Medien auf große Aufmerksamkeit – das Medienecho finden Sie hier!

Autor:innen

Johannes Hillje

Policy Fellow
Johannes Hillje ist Politik- und Kommunikationsberater in Berlin und Brüssel. Er berät Institutionen, Parteien, Politiker, Unternehmen und NGOs. Zur Europawahl 2014 arbeitete er als Wahlkampfmanager der Europäischen Grünen Partei.
Selbstverständlich europäisch!? 2022
Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger an die deutsche Europapolitik in der „Zeitenwende“
Selbstverständlich europäisch!? 2021
Erwartungen an die deutsche Europapolitik
Wer spricht für wen? – Die Talkshow-Gesellschaft
Über die Repräsentation gesellschaftlicher Bereiche und politischer Ebenen in öffentlich-rechtlichen Talkshows
Selbstverständlich europäisch!? 2020
Die Studie vergleicht im zweiten Jahr in Folge vermeintliche Selbstbilder mit den tatsächlichen Einstellungen der Deutschen

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