Wir in den Medien Debattenbeitrag

Deutsche blicken pessimistisch in die Zeit nach der Pandemie

Repräsentative YouGov-Umfrage in den G7-Staaten


Deutsche blicken im Vergleich zu anderen Industriestaaten pessimistisch in die Zukunft. Das fand die Umfrage des Meinungsforschungsinstituts „YouGov“ im Auftrag des Think Tanks „Global Progress“ heraus, die anlässlich des G7-Gipfels im Juni 2021 rund zwölftausend Menschen in acht westlichen Industriestaaten über ihre Zukunftsgewandtheit befragt hat.


Eine neue Umfrage von YouGov im Auftrag von Global Progress zeigt, wie die Menschen in den G7-Ländern sowie Australien über ihre Zukunft denken. Die deutsche Zukunftsgewandtheit erscheint im Vergleich als aufällig pessimistisch. Allerdings sagen die meisten, dass sie während der Pandemie viel über sich und ihre Gesellschaften gelernt haben.


Das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) griff die Studienergebnisse in einem Artikel auf: „Umfrage: Nur wenige Deutsche glauben an wirtschaftliche Vorteile durch mehr Klimaschutz“.


Dazu gehört ihr Empfinden, dass die sozioökonomische Ungleichheit zu groß ist und wünschen sich eine gerechtere Gesellschaft. Dies schlägt sich allerdings insgesamt nicht in der Unterstützung für progressive Parteien nieder. Die hier sichtbare Diskrepanz zwischen Ambitionen und politischen Positionen zeigt, dass Progressive viel tun müssen, um die Diskussion über soziale Gerechtigkeit zu gewinnen.

Zum Abschluss der diesjährigen Progressive Governance Digital Summit 2021 stellten Matt Browne, Gründer und Direktor von Global Progress, und Marcus Roberts, Direktor für Internationale Projekte bei YouGov, die Ergebnisse der repräsentativen Umfrage vor.

Global Progress Umfrage von YouGov

„How people in industrialized countries perceive the outlook for their post-pandemic future.“

 

von Matt Browne und Hans Anker

 

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Executive Summary mit Fokus auf Deutschland

Überblick der Ergebnisse

Die Deutschen blicken im Vergleich zu anderen Ländern eher zurückhaltend in die Zukunft. Nur 30 Prozent der Befragten befanden, dass sich das Land ganz generell in die richtige Richtung entwickelt. Je 42 Prozent der US-Amerikaner und Briten und 43 Prozent der Kanadier befanden das gleiche über ihr Land, bei den Australiern sind es stolze 54 Prozent.

Bemerkenswert auch die Antworten zur Politik von US-Präsident Joe Biden, der in den nächsten Jahren zwei Billionen Dollar in große nationale Infrastrukturprojekte investieren und darüber die Wirtschaft ankurbeln will. Während sich nur 55 Prozent der Amerikaner für diese Art der Ausgabenpolitik erwärmen können, sind es 69 Prozent der Menschen in den anderen G7-Staaten. Deutschland steht mit 72 Prozent der Idee einer vorübergehenden expansiven Finanzpolitik also deutlich aufgeschlossener als die USA.

Mehr als 7 von 10 Deutschen würden ein massives Investitionspaket wie das des US-Präsidenten unterstützen, nur 1 von 10 ist dagegen.

Der Pessimismus der Deutschen zeigt sich vor allem mit Blick auf Klimaschutzpolitik. Nur 35 Prozent der Deutschen glauben, dass eine früh begonnene Politik für den Klimaschutz wirtschaftliche Vorteile mit sich bringt – dies ist der niedrigste Wert aller G7-Staaten. In den USA sind immerhin 40 Prozent davon überzeugt, in Frankreich 46 Prozent, Großbritannien 43 Prozent und in Italien sogar 55 Prozent. In Deutschland erwarten zudem 29 Prozent der Befragten, dass Maßnahmen zum Klimaschutz langfristig Arbeitsplätze vernichten, in Frankreich sind es 24 Prozent, in Großbritannien 20 Prozent, Italien sogar nur 18 Prozent.
Vergleichsweise gefestigt ist Deutschland an anderer Stelle: Nur 15 Prozent der Deutschen gaben zu Protokoll, Sympathien für einen autoritären Führungsstil zu hegen – dies ist der niedrigste Wert aller G7-Staaten. Immerhin 25 Prozent der Franzosen, 26 Prozent der US-Amerikaner und sogar 33 Prozent der Italiener können einem autoritären Führungsstil etwas abgewinnen.

 

Vorstellung der Studie auf dem PGS21

 

Über die Autoren

Matt Browne ist Gründer und Direktor von Global Progress, einem Netzwerk progressiver Think Tanks, Strategen und Führungskräfte. Er ist Senior Fellow am Center for American Progress, wo er die Arbeit der Organisation zum Thema Populismus leitet.

Hans Anker ist ein erfahrener Politikberater mit mehr als 25 Jahren strategischer Forschungs- und Beratungserfahrung in mehr als 50 Ländern auf fünf Kontinenten. Anker hat Regierungschefs aus aller Welt, andere wichtige Kandidaten für ein Amt sowie CEOs von Privatunternehmen und Nichtregierungsorganisationen strategisch und in Umfragen beraten.

 

Der Progressive Governance Digital Summit 2021

 

Der Progressive Governance Summit ist die größte politische Konferenz von Parteien und sozialen Bewegungen links der Mitte in Europa.

 

Zum Auftakt des Gipfels kamen unter anderem der kanadische Premierminister Justin Trudeau mit der ehemaligen dänischen Premierministerin Helle Thorning-Schmidt und dem Vizekanzler Olaf Scholz zusammen.

 

Mehr zur PGS21

 

 





Annika Hoffmann


published on

11. Juni 2021


Schlagwörter

#PGS21Global ProgressZukunft