Ein großes Gruppenfoto zahlreicher Teilnehmer:innen der Konferenz Global Progressive Mobilisation, die in formeller Kleidung vor der abendlichen Skyline von Barcelona posieren. Während die Personen im Zentrum in die Kamera blicken, rahmen unscharfe Silhouetten im Vordergrund das Bild ein. Der Hintergrund zeigt die dichte Stadtstruktur und den markanten Torre de Collserola auf den Hügeln unter einem dämmerigen Himmel; am unteren Bildrand ist ein rotes Logo-Banner der Veranstaltung sichtbar.

Johannes Düselder

Progressive Offensive beim Mobilisation Summit in Barcelona

In Barcelona sind Regierungschef:innen und Vertreter:innen progressiver Parteien und Organisationen sowie der Zivilgesellschaft zur Global Progressive Mobilisation (GPM) zusammengekommen. Eingeladen hatte der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez, um gemeinsam über die entscheidenden Herausforderungen unserer Zeit nachzudenken, sich auszutauschen und konkrete Maßnahmen abzustimmen.

© Johannes Düselder

Rund 5.000 nationale und internationale Gäste haben an der Konferenz teilgenommen. Angereist waren u. a. Brasiliens Staatschef Lula da Silva und die Premierministerin von Barbados, Mia Amor Mottley. Die US-amerikanische Seite war mit Ex-Vizepräsidentschaftskandidat und Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, sowie US-Senator Chris Murphy vertreten. An der Spitze der deutschen Delegation standen Vizekanzler Lars Klingbeil und Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan.

Organisiert wurde das zweitägige Event von einem Bündnis progressiver Organisationen, darunter die Party of European Socialists (PES), das Center for American Progress (CAP) die Foundation for European Progressive Studies (FEPS) und die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES). Das Progressive Zentrum hat sich in zwei Sessions zur transatlantischen Beziehung sowie zu gerechter Arbeit inhaltlich eingebracht.

Das Momentum nutzen

Der Zeitpunkt der Konferenz war günstig. Der Erfolg von Peter Magyar in Ungarn und die damit verbundene Abwahl Victor Orbáns haben vor Augen geführt, dass rechtsnational-populistische Politik keinen ungehinderten Siegeszug einfahren kann. Auch der Blick in die USA und die innerparteilichen Wiederstände gegen Donald Trump zeigten zuletzt: Der Block der international organisierten Neuen Rechten ist brüchig.

Der Summit ist ein weiterer Beleg dafür, dass die internationale progressive Debatte an strategischer Dichte gewinnt. Es war bereits das zweite Treffen dieser Art innerhalb eines knappen halben Jahres. Beim Global Progress Action Summit 2025 in London dominierten frisch gewählte, moderat-progressive Regierungschefs wie Keir Starmer, Anthony Albanese, Jonas Gahr Støre und Mark Carney mit einem pragmatischen Politikstil jenseits ideologischer Grabenkämpfe, kombiniert mit dem Versuch, einen inklusiven, gemeinwohlorientierten Patriotismus als Gegenentwurf zur Neuen Rechten zu etablieren.

Beim Gipfel in Barcelona weitete sich der Fokus durch starke Stimmen aus dem Globalen Süden deutlich aus, wobei Demokratieverteidigung und der Kampf gegen soziale Ungleichheit als zusammengehörendes Projekt in den Mittelpunkt rückten. Weiterhin standen in vielen Sessions und bei vielen Reden die Themen Lebenshaltungskosten und die Schärfung eines eigenen international progressiven Projekts für eine regelbasierte internationale Ordnung ganz oben auf der Liste. Barcelona hat gezeigt, dass progressive Politik international wieder in der Offensive sein kann – gestärkt nicht zuletzt durch die wachsenden Widersprüche der Gegenseite.

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Den Arbeiter:innen eine Stimme geben

Bei einer Session der Friedrich-Ebert-Stiftung durfte das Progressive Zentrum zum Thema Sozial- und Arbeitsmarktpolitik inhaltliche Akzente setzen. Johanna Siebert stellte das Projekt zu Basisarbeit in der Transformationsgesellschaft vor. 

Basisarbeit bezeichnet all jene Tätigkeiten, für die man keine formale Berufsausbildung braucht. Diese Tätigkeiten können also ohne lange Einarbeitung ausgeübt werden. Sie sind körperlich anstrengend, häufig schlecht bezahlt, mit ständiger Unsicherheit verbunden und werden – obwohl gesellschaftlich so wichtig – wenig wertgeschätzt. In Deutschland umfasst das etwa 20 Prozent aller Beschäftigten. Kurzum: Die Arbeiter:innen, die die Politik nicht vergessen darf. Mit der Session konnte den Perspektiven und Forderungen von Menschen im Bereich der Basisarbeit Gehör verschafft werden.

© Foto: FES – Per Jacob Blut

Dabei wurde der Trailer zum Projekt-Film Die Unverzichtbaren gezeigt. Anschließend diskutierten Philipp Türmer, Vorsitzender der Jusos, Konstantin Bärwaldt, FES, Esther Lynch, Generalsekretärin der European Trade Union Confederation und Kate Bell, stellvertretende Generalsekretarin des Trades Union Congress, die unverzichtbare Rolle der Basisarbeiter:innen.

Next stop: Toronto

Die Global Progressive Mobilisation in Barcelona war der Auftakt eines langfristigen Weges zum Aufbau einer dauerhaften Zusammenarbeit und gemeinsamer Kapazitäten unter progressiven Kräften weltweit. Next stop: Toronto im Mai, wo Mark Carney zu einem weiteren internationalen Summit geladen hat.

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