In Toronto sind internationale Regierungsvertreter:innen, Denker:innen sowie Repräsentant:innen der Zivilgesellschaft und von Thinktanks zum Global Progress Action Summit zusammengekommen.
Das hochkarätige Treffen am 8. und 9. Mai 2026 widmete sich unter der Schirmherrschaft des kanadischen Premierministers Mark Carney den zentralen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen demokratischer Gesellschaften in Zeiten globaler Krisen und demokratischer Rezession. Im Fokus standen dabei nachhaltige Strategien für wirtschaftliche Resilienz, soziale Teilhabe sowie die Frage, wie das Vertrauen in die demokratische Handlungsfähigkeit gestärkt werden kann.

An der zweitägigen Konferenz nahmen zahlreiche internationale Akteur:innen teil, darunter Kanadas Industrieministerin Melanie Joly, der ehemalige US-Präsident Barack Obama, die ehemalige Premierministerin von Schweden, Magdalena Andersson, und der ehemalige US-Verkehrsminister Pete Buttigieg. Zu den Mitgliedern der deutschen Delegation gehörte unter anderem Bundesfinanzminister Lars Klingbeil.
Organisiert wurde das Event gemeinsam vom Center for American Progress (CAP) und Canada 2020. Das Progressive Zentrum brachte sich aktiv in die inhaltliche Debatte ein. In einer Strategy Session zu zukunftsorientierten Narrativen diskutierte Geschäftsführer Dominic Schwickert auf dem Podium über die Bedingungen für spürbare politische Veränderungen.

Das Momentum nutzen und über reinen „Deliverism“ hinausgehen
Die Konferenz knüpfte an die Kontinuität der internationalen Debatten von London (Herbst 2025) und Barcelona (April 2026) an und entwickelte diese strategisch weiter. Ein zentraler Diskussionspunkt war die Frage, wie auf die allgegenwärtige Lebenshaltungskostenkrise reagiert werden sollte. Dabei wurde das Konzept des „Deliverism“ kritisch hinterfragt – also die technokratische Annahme, dass das bloße Abarbeiten von Leistungsversprechen durch Regierungen ausreicht, um politisches Vertrauen zurückzugewinnen.
In den Panels und Keynotes wurde deutlich, dass eine rein transaktionale Politik oft zu kurz greift, da sichtbare Reformen Zeit benötigen und Ergebnisse nicht immer sofort im Alltag der Menschen spürbar sind. Bürger:innen suchten in einer von Umbrüchen geprägten Welt nicht nur nach isolierten Maßnahmen, sondern nach Orientierung, Glaubwürdigkeit und einem Gefühl der kollektiven Zugehörigkeit. Erfolgreiche Politik müsse daher diese Ansätze überwinden und eine verbindende Erzählung schaffen, die Zuversicht vermittelt und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt.

Das Kanada-Modell und wirtschaftliche Resilienz
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Analyse neuer wirtschaftspolitischer Ansätze, insbesondere des kanadischen Regierungsmodells unter Mark Carney (Hier zu seiner Rede). Angesichts globaler Handelskonflikte und protektionistischer Tendenzen stand das Bestreben im Vordergrund, geopolitischen Risiken und Gefühlen des Kontrollverlusts nicht mit Abschottung zu begegnen, sondern mit proaktiver Handlungsfähigkeit und gezielten Aufbauprojekten. Unter der Leitformel „Building for all – concrete, steel, and code“ wurde dargelegt, wie eine moderne Industriepolitik aussehen kann, die physische Infrastruktur, sozialen Wohnungsbau, die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften und technologische Selbstbestimmung – etwa im Bereich einer arbeitnehmerfreundlichen KI – ganzheitlich miteinander verknüpft. Die enge Verbindung von wirtschaftlicher Sicherheit und gesellschaftlicher Teilhabe mit einem integrativen, gemeinschaftsorientierten sowie progressivem Patriotismus bot hierbei wichtige Impulse für die internationale Debatte.
Kurz vor dem Summit in Toronto erschien zudem unter dem Titel „The centre left is not dead“ im Guardian ein Op-Ed von Florian Ranft zur Frage, wie sich die außenpolitischen Ansätze von Pedro Sanchez und Mark Carney unterscheiden. Hier lesen.
Nächste Schritte und Transfer
Der Summit in Toronto hat einmal mehr gezeigt, wie wertvoll der strukturierte, internationale Austausch ist, um tragfähige Konzepte für die ökonomischen und gesellschaftlichen Transformationen der Gegenwart zu entwickeln. Die vertiefte Aufarbeitung dieser Ansätze sowie die Übersetzung der Erkenntnisse in konkrete Impulse für den deutschen Kontext bleiben eine fortlaufende Aufgabe.

