Europa & die Welt

“COVID-19 und soziale Ungleichheit – Thesen und Befunde”

Publikationsreihe mit dem Exzellenzcluster “The Politics of Inequality” an der Universität Konstanz


Welche sozialen und politischen Folgen hat die Corona-Krise? Dieser Frage geht ein großangelegtes Umfrage-Programm der Universität Konstanz nach. Das Progressive Zentrum begleitet die Aufbereitung und Veröffentlichung der Ergebnisse samt Handlungsempfehlungen in mehreren Policy Briefs.


Zu Beginn des Corona-Ausbruchs konzentrierten sich staatliche Stellen und der gesellschaftspolitische Diskurs zunächst darauf, medizinische und epidemiologische Antworten auf die Krise zu finden. Im Sommer 2020 rücken allerdings zunehmend politische, soziale und ökonomische Fragen in den Fokus.

Vor diesem Hintergrund gehen die Forschenden des Exzellenzclusters “The Politics of Inequality” an der Universität Konstanz der Frage nach, wie Menschen in Deutschland mit den sozialen und politischen Auswirkungen der Corona-Krise umgehen. Zu diesem Zweck haben sie in mehreren Online-Befragungen im Zeitraum April bis Juni 2020 über 8.000 in Deutschland lebende Personen befragt.

Das Bild zeigt das Cover des Policy Briefs "Betten oder Bonds? Europäische Solidarität in Zeiten der Corona-Krise" 2020.Die erste Publikation “Betten oder Bonds? Konditionale Solidarität in der Corona-Krise” untersuchte, wie hilfsbereit die deutsche Bevölkerung in der Corona-Krise gegenüber anderen europäischen Ländern eingestellt ist. Die Autoren, Jun-Prof. Sebastian Koos und Dirk Leuffen, stellten in der Befragung fest, dass die Bereitschaft zu Solidarität zwar für medizinische Hilfen hoch ist. Finanzielle Hilfen hingegen unterstützen bislang nur 44 Prozent, EU-Anleihen nur 26 Prozent. Dabei steigt oder sinkt die Hilfsbereitschaft in verschiedenen Szenarien.

 

 

Homeoffice in der Corona-Krise – eine nachhaltige Transformation der Arbeitswelt?„: Die meisten Beschäftigten arbeiten nach eigener Aussage im Homeoffice länger und produktiver als im Büro, einige leiden aber auch unter Vereinsamung und Isolation. Trotzdem wünscht sich ein Großteil (56 Prozent) keine Rückkehr zur Vollzeit-Präsenzpflicht, die Mehrheit der Befragten möchte am liebsten zwei bis drei Tage pro Woche von zu Hause aus arbeiten. Bei der Frage nach einem gesetzlichen Recht auf Homeoffice ist die arbeitende Bevölkerung gespalten.

 

 

Ebenfalls im Sommer 2020 wird der Policy Briefs von Claudia Diehl, Felix Wolter erscheinen: Wer fordert Lockerungen der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie?

Weitere Themen folgen ab August:

  • Marius Busemeyer: Heilmittel oder Brandbeschleuniger? Vertrauen in das Gesundheitssystem während der Corona-Krise
  • Lune Bellani et al.: Staatliche Corona-Hilfen für Unternehmen: Sinnvoll und gerecht?

Über die Kooperation

Das Politics of Inequality-Exzellenzcluster ist eines der führenden Institutionen in der weltweiten Ungleichheitsforschung. Wir freuen uns, im Zuge dieser neuen Kooperation zu einem Brückenschlag zwischen akademischer und politischer Debatte beitragen zu können.

– Dr. Florian Ranft, Leiter des Programmbereichs “Strukturwandel” am Progressiven Zentrum

 

Der Berliner Think-Tank das Progressive Zentrum begleitet Aufbereitung und Veröffentlichung der Forschungsergebnisse. Ziel der gemeinsamen Kooperation ist eine institutionelle Zusammenarbeit auf fachlicher, operativer, programmatisch-konzeptioneller sowie strategischer Ebene bei der Identifikation, Erarbeitung und Multiplikation gesellschaftlich relevanter Impulse im Themenbereich “COVID-19 und soziale Ungleichheit”.

Dabei stehen folgende drei Dimensionen der Politik von Ungleichheit im Vordergrund, die zugleich die Themenschwerpunkte des Exzellenzclusters bilden: Wahrnehmung von Ungleichheiten, kollektive Mobilisierung entlang gesellschaftlicher Spaltlinien und policy-Konzepte zur Reduzierung von Ungleichheiten. Die vorwärtsgewandte, partei- und sektorübergreifende Kooperation agiert an der Schnittstelle von Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit.

Die Zusammenarbeit baut dabei auf eine Kooperation aus dem September 2019 auf. In einem gemeinsamen Policy Brief wurde die Unterstützung für Fridays For Future sowie ihr Potenzial untersucht, zu einer breiten gesellschaftlichen Bewegung zu wachsen. Auf Basis einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage gingen die Autoren dem “Greta-Effekt” nach, zeichneten mögliche Konfliktlinien und gaben neue Impulse für die Diskussion um Klimaschutzmaßnahmen wie eine CO2-Steuer.