Foto: Wikicommons_OTFW_CC BY-SA 1.0.jpg

Genossen, seid mal realistisch!

Wolfgang Merkel und Wolfgang Schroeder, Mitglieder im Wissenschaftlichen Beirat bei Das Progressive Zentrum, schreiben in einem Gastbeitrag für Der Tagesspiegel über die Zukunft der SPD nach der Bundestagswahl. Ihr Tenor: Der Platz der SPD in der deutschen Politik ist nicht die Zuschauertribüne.

Die SPD steht nach der Bundestagswahl und der erneuten Wahlniederlage vor dem Dilemma, sich zwischen Oppositionsarbeit und Regierungsverantwortung entscheiden zu müssen. Wolfgang Merkel und Wolfgang Schröder kommentieren die Verunsicherung, die nach der Wahl in der Partei über die Rolle und Identität herrscht:

Die alte, neue Macht der großen Unternehmen, die Abwanderung der Arbeiter und kleinen Leute zu den Nichtwählern, der Union und den Rechtspopulisten, die Sozialkritik von links und die ökologischen Vorhaltungen der Grünen aus der bürgerlichen Mitte (…) strukturiert und begrenzt zugleich den politischen Raum, der von der Sozialdemokratie besetzt werden kann, wenn alles so bliebe wie es jetzt ist.

Um sich aus diesem Dilemma zu befreien, sehen beide Autoren die Rolle der SPD in einer künftigen Regierung. Sie müsse sich dort vor allem für Themen wie Rente, Mieten, Pflege, Gesundheit, Bildung, Investitionen und eine humanitäre und sozialverträgliche Einwanderungspolitik einsetzen. Einen Widerspruch zwischen Regierungsverantwortung und innerparteilicher Erneuerung sehen Wolfgang Merkel und Wolfgang Schröder dabei nicht:

Für eine souveräne Partei, die sich als Gerechtigkeits- und Fortschrittspartei versteht, gehören Koalitions- wie Regierungsfähigkeit mit politischer Erneuerung zusammen.

Dieser Beitrag erschien zuerst in Der Tagesspiegel.

Autoren

Prof. Dr. Wolfgang Schroeder ist Vorsitzender des Progressiven Zentrums. Er hat den Lehrstuhl „Politisches System der BRD – Staatlichkeit im Wandel“ an der Universität Kassel inne. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Demokratie, Wandel des Staates und der Infrastruktur sowie Parteien und Verbände.

Prof. Dr. Wolfgang Merkel

Wissenschaftlicher Beirat
Wolfgang Merkel warDirektor der Forschungsabteilung "Demokratie und Demokratisierung" am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Merkel ist Senior Fellow am Democracy Institute der Central European University in Budapest. Zusätzlich ist er Professor für Politikwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin und Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Progressiven Zentrums sowie weiterer Wissenschaftsgremien.

Weitere Beiträge

Ein großes Gruppenfoto zahlreicher Teilnehmer:innen der Konferenz Global Progressive Mobilisation, die in formeller Kleidung vor der abendlichen Skyline von Barcelona posieren. Während die Personen im Zentrum in die Kamera blicken, rahmen unscharfe Silhouetten im Vordergrund das Bild ein. Der Hintergrund zeigt die dichte Stadtstruktur und den markanten Torre de Collserola auf den Hügeln unter einem dämmerigen Himmel; am unteren Bildrand ist ein rotes Logo-Banner der Veranstaltung sichtbar.

Progressive Offensive beim Mobilisation Summit in Barcelona

Veröffentlicht am
In Barcelona sind Regierungschef:innen und Vertreter:innen progressiver Parteien und Organisationen sowie der Zivilgesellschaft zur Global Progressive Mobilisation (GPM) zusammengekommen.
Der dritte Round Table Demokratiepolitik im Konferenzraum des Progressiven Zentrums in Berlin diskutiert zum Thema Staatsmodernisierung

Der Staat soll liefern – doch reicht das für mehr Vertrauen?

Veröffentlicht am
Im politischen Berlin ist gerade eine Antwort auf die demokratische Vertrauenskrise besonders en vogue: Der Staat muss wieder liefern. Aber stärkt ein handlungsfähiger Staat wirklich auch Demokratievertrauen?
Panel: Keir Starmer, Kristrún Frostadóttir, Neera Tanden, Mark Carney & Anthony Albanese

Mehrheiten für ein neues Sicherheitsversprechen: Erkenntnisse vom Progressiven-Gipfel in London

Veröffentlicht am
In London haben sich progressive Regierungschefs und NGOs zu einer Strategiedebatte getroffen. Über Diskursunterschiede mit Lerneffekt.
teilen: