© „Kneipe“ von Canon, CC BY-NC-ND 2.0

Kneipen für Deutschland

10.000 Kneipen wären eine Investition gegen Extremismus und für demokratischen Diskurs. Obwohl dort oft niedriges Niveau und hoher Alkoholspiegel herrschen? Nein, gerade deshalb!

Über die Kneipe gibt es in der Öffentlichkeit und auch im deutschen Schlager vor allem zwei Meinungen. „Die kleine Kneipe am Ende der Straße“ ist einerseits ein nostalgischer Sehnsuchtsort, „dort, wo das Leben noch lebenswert ist“ (Peter Alexander). In den Vorstadtstraßen wird „Griechischer Wein“ ausgeschenkt, und es erklingen „die altvertrauten Lieder“ (Udo Jürgens).

Andererseits gelten Kneipen als Orte des enthemmten Alkoholkonsums, „Kreuzberger Nächte sind lang“, man sieht „schon doppelt, und das aus gutem Grund, denn in Eckkneipen geht es nun mal rund!“ (Gebrüder Blattschuss). Es gilt das Motto „Saufen, morgens, mittags, abends, ich will saufen. Der Hahn muss laufen“ (Ingo ohne Flamingo). Oder wie es im Münchener Hofbräuhaus heißt: „Ein Prosit, ein Prosit der Gemütlichkeit – oans, zwoa, drei! G’suffa!“ Auf die Idee, dass die Kneipe auch ein Ort der Demokratie sein könnte, ist der deutsche Schlager noch nicht gekommen. Dabei lebt die Demokratie von Orten lebendiger Begegnung – von Orten, an denen Ideen, Vorlieben oder Meinungen ausgetauscht werden, an denen Menschen miteinander reden und einander zuhören. Orte, an denen gegenseitiges Vertrauen geschaffen wird und damit eine Basis für Vertrauen in Politik.

Der Beitrag erschien am 22. Juni 2026 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Foto: © „Kneipe“ von Canon, CC BY-NC-ND 2.0

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