Die Volksparteien kämpfen ums Überleben und bei der AfD knallen die Korken: Das alte System der Bundesregierung erlebt einen fundamentalen Umbruch. Daran sind die etablierten Parteien selbst schuld, meint unser SPD-Gastautor.
Jede neue Sonntagsfrage führt uns aktuell vor Augen, dass unser Parteiensystem ins Rutschen gekommen ist. Die etablierten Parteien scheinen darauf keine Antworten zu finden. Die AfD erreicht bundesweit neue Höchstwerte und in Sachsen-Anhalt liegt sie vor der Wahl Anfang September ebenfalls deutlich an der Spitze. Auch in anderen Bundesländern wächst ihr Rückhalt, in Thüringen ist sie in einer aktuellen Umfrage fast doppelt so stark wie die zweitplatzierte CDU.
Warum verliert die politische Mitte ihre Bindungskraft? Wenn man zur Antwort dieser Frage nur das Erstarken der AfD anführt, wird die Dynamik der vergangenen Jahre verkannt und den Populisten wird eine Stärke zugesprochen, die sie nicht besitzen. Der Aufstieg einer Partei erklärt nämlich nicht alleine einen so dramatischen Vertrauensverlust bei den anderen Parteien, vor allem bei den die Bundesrepublik so lange prägenden Kräften von Union und SPD.
Die Entwicklungen, die diesen Verlust so dramatisch zu beschleunigen scheinen, liegen tiefer und sind im Alltag der Menschen und in ihren Erfahrungen mit Staat und Politik genauso zu suchen wie in den Folgen des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels.
Der Beitrag erschien am 14. Juli 2026 bei FOCUS online




