„Ein energiepolitischer Leitfaden für die kommende Regierung“

Projektabschluss „Das Stadtwerk der Zukunft“

Keine zweite Akteursgruppe ist so weitreichend in den Umbau unserer Energieversorgung involviert wie die Stadtwerke und kaum einer zweiten wird so viel dabei abverlangt. Das heißt aber auch: Wenn die Energiewende bei den Stadtwerken gelingt, dann gelingt die Energiewende im Ganzen. Vor diesem, aber auch dem Hintergrund gesellschaftlicher Trends wie Digitalisierung und Urbanisierung, stellten wir uns die Fragen: Welche Rolle spielen Stadtwerke in Zukunft? Und was kann die Politik tun, damit Stadtwerke ihr Potential besser ausspielen können?

In dem gemeinsamen Projekt „Das Stadtwerk der Zukunft“ des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) und des Progressiven Zentrums wurden in mehreren Workshops eine Bestandsaufnahme der Stadtwerke vorgenommen, Herausforderungen und Chancen diskutiert, zukünftige Rollenverständnisse für Stadtwerke entworfen und politische Empfehlungen abgeleitet.

Bundesministerin betont die Relevanz des Projekts

Die Projektergebnisse wurden am 4. Oktober in den Räumlichkeiten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, mit rund 100 geladenen Gästen aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft diskutiert. Hauptrednerin Brigitte Zypries, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, betonte in ihrer Keynote die Relevanz der Projektergebnisse. Insbesondere die politischen Handlungsempfehlungen seien ein Leitfaden für die Energiepolitik der kommenden Bundesregierung. Die Bundesministerin hob die Digitalisierung als zentrales Aufgabenfeld für die Energieversorgung hervor. Hier stünden gerade Stadtwerke vor großen Herausforderungen, hätten aufgrund ihrer lokalen Vernetzung aber auch besondere Startvorteile.

Das Projekt brachte unterschiedlichste Akteure zusammen 

Die Projektergebnisse wurden im Anschluss von Dr. Steffen Jenner (Policy Fellow des DPZ) und Fabian Schmitz-Grethlein (Bereichsleiter Energiesysteme und Energieerzeugung beim VKU) präsentiert und erläutert. Das Discussion Paper ist hier abrufbar.

Auf dem anschließenden Panel diskutierten Silke Gebel (Vorsitzende der Abgeordnetenhausfraktion Bündnis 90/Die Grünen), Bundestagsabgeordneter Klaus Mindrup (SPD-Bundestagsfraktion), Dr. Patrick Graichen (Direktor von Agora Energiewende), Michael Wübbels (Stellv. Hauptgeschäftsführer des VKU) und Helmut Herdt (Geschäftsführer der Städtischen Werke Magdeburg) über die zukünftigen Rollen von Stadtwerken sowie die erforderlichen Rahmenbedingungen.

Dr. Patrick Graichen betonte z.B. die Bedeutung von Stadtwerken für die kommunale Infrastruktur, verwies aber zugleich auch auf die Konkurrenz zu anderen Anbietern, der sich Stadtwerke stellen müssten. Klaus Mindrup hielt fest, dass die Zukunft der Elektromobilität zuallererst im öffentlichen Verkehr zu sehen sei und Stadtwerke hier Vorreiter sein könnten. Helmut Herdt verwies auf die regionale Nähe und das Vertrauen, welches Stadtwerken als kommunalen Unternehmen entgegengebracht wird. Diese resultiere aus der Gemeinwohlorientierung und müsse im Sinne eines Unique Selling Points bei allen Zukunftsüberlegungen in den Mittelpunkt gestellt werden. Michael Wübbels stellte das Leitbild einer dezentralen Energiewende in den Mittelpunkt und bekam dafür breiten Zuspruch.

Unsere Hauptrednerin bei der Abschlusskonferenz zum @DPZ_Berlin Projekt „Das Stadtwerk der Zukunft“: Die wunderbare @brigittezypries.

— Laura-Kristine Krause (@laura_is_gold)

Einigkeit bestand auf dem Panel in der Auffassung darüber, dass sich Stadtwerke ihrer eigenen Rolle(n) bewusst werden müssten und sich entsprechend selbstbewusst und proaktiv dem Wettbewerb mit anderen Unternehmen stellen sollten. Moderiert wurde die Diskussion von Martina Richwien (IFOK GmbH).

Im Anschluss an die Veranstaltung bot der Deutsche Sparkassen- und Giroverband den Gästen die Gelegenheit, ihre Diskussionen bei Getränken und Snacks fortzuführen.


Diese Veranstaltung fand mit besonderer Unterstützung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands e.V. sowie der Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft statt.

Das gemeinsame Projekt „Das Stadtwerk der Zukunft“ mit dem Verband kommunaler Unternehmen (VKU) wurde in Kooperation mit folgenden Premium-, Basis- und Multiplikationspartnern durchgeführt:

Autor:innen

Nele Fritsche

Praktikantin
Nele war von September bis Dezember 2017 Praktikantin beim Progressiven Zentrum. Ihren Bachelor in der Regionalwissenschaft Niederlande-Deutschland-Studien hat sie dieses Jahr an der Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster mit einer Forschungsarbeit zum Thema Deliberative Elemente in niederländischen Parteistrukturen abgeschlossen. Sie ist bei der studentischen Bildungsinitiative Weitblick aktiv.

Manuel Gath

Projektmanager
Von 2015 bis 2018 Project Manager im Progressiven Zentrum. Hat im Master Politikmanagement an der NRW School of Governance in Duisburg studiert und beschäftigte sich im Rahmen seiner Abschlussarbeit mit der Programmatik in den europäischen Parteienfamilien.

Dr. Steffen Jenner †

Policy Fellow | Strukturwandel
Steffen Jenner war Referatsleiter im Finanzministerium. Im Progressiven Zentrum begleitete er als Policy Fellow Projekte rund um die Themen Energie, Wirtschaft und politische Kommunikation. Steffen hat in Tübingen, Arizona und Harvard studiert.

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