New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani zeigt, wie man Menschen mit politischen Botschaften erreicht – und sogar begeistert. Was die deutschen Parteien ändern müssen.
Jetzt hat es auch die Union erwischt. Die sich müde regierende SPD schreibt ja bereits seit Jahren an ihrem Fortsetzungsroman „Auf der Suche nach dem verlorenen Narrativ“; dass sie es nicht findet, gilt vielen Sozialdemokraten als Hauptgrund ihrer Sinn- und Ergebniskrise. Nun grassiert die Narrativitis in der Kanzlerpartei. Allenthalben, beim Kanzler angefangen, heißt es, es brauche eine neue Erzählung, Reformen müssten nicht nur rational begründet, sondern auch emotional vermittelt werden. Nun, wer sollte schon etwas dagegen haben? Andererseits muss man die letzten Monate, nein: Jahre schon unter einem Stein verbracht haben, um sich nicht zu fragen: Warum fällt denen das erst jetzt ein? Auch liegt der Verdacht nahe, dass in Wahrheit gemeint ist: Wir brauchen bessere PR, müssen nur „mehr“ kommunizieren. Dabei liegt das Problem der Koalition nicht darin, dass sie zu wenig kommuniziert, sondern dass ihre Worte leer geworden sind.
Klar ist: Die Krise der liberalen Demokratie ist, neben vielem anderen, auch eine Krise der politischen Kommunikation. Dafür gibt es strukturelle Gründe. Das Spielfeld der algorithmischen Öffentlichkeit ist schief, die demokratischen Kräfte spielen im Wettbewerb um Aufmerksamkeit bergauf. Wut, Feindbild und Tabubruch sind die billigsten Mittel, um Reichweite zu erzeugen. Die liberale Demokratie hat ihre Tabus aber genau auf diesem Terrain errichtet. Wer sie bricht, wird belohnt, und zwar strukturell, nicht zufällig. Doch die demokratische Mitte hat auch handwerkliche Probleme. Ich sehe drei Modi, in denen insbesondere die Koalition feststeckt: Verwalten, Senden und Metakommunikation. Um wieder in die Offensive zu kommen, braucht sie eine Politik der Resonanz.
Der Beitrag erschien am 02. November 2026 beim stern.




