Editorial
Liebe Freund:innen, liebe Kolleg:innen,
wie lässt sich das politische Jahr 2025 aus progressiver Perspektive einordnen? In Deutschland endet eine progressive Regierungsphase mit einer Wahlniederlage, während in Norwegen und den Niederlanden sowie in Australien Mitte-Links-Kräfte Mehrheiten finden. Das Trump-Regime versteht Europa nicht mehr als Partner, sondern als Gegner. Zugleich gewinnt in der wichtigsten Stadt der USA ein erklärter Gegenpol die Bürgermeisterwahl. Diese Gleichzeitigkeit prägt das Jahr – und entzieht sich einfachen Deutungen.
Für progressive Politik war 2025 dennoch ein ausgesprochen schwieriges Jahr. Progressive Kräfte werden vielerorts als Verteidigerinnen eines Status quo wahrgenommen, mit dem große Unzufriedenheit herrscht. Wir befinden uns in einer postliberalen Konstellation, in der liberale Selbstverständlichkeiten verloren gegangen sind und zugleich unklar ist, welche politischen Ordnungsangebote an ihre Stelle treten. Auch daraus speist sich die gegenwärtige Orientierungslosigkeit progressiver Kräfte.
Vor diesem Hintergrund haben wir unsere Arbeit auf das konzentriert, was unter diesen Bedingungen besonders gebraucht wird: Räume für Austausch zu schaffen und politische Orientierung zu ermöglichen. Zentrale Fragen standen dabei im Mittelpunkt: Wie kann das deutsche und europäische Wirtschaftsmodell der Zukunft aussehen? Wie gelingt die Selbstbehauptung der liberalen Demokratie – als offensives Reformprojekt und nicht als defensiver Abwehrkampf? Und wie kann gute Arbeit unter veränderten ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen neu gestaltet werden? Diese Fragen prägten unsere großen Veranstaltungen und kleinen Hintergrundrunden ebenso wie unsere Studien, Papiere und Meinungsbeiträge. Eine Auswahl unserer Highlights aus 2025 findet ihr unten.
Der Blick nach vorn bleibt nüchtern. Fortschritt ist kein linearer Prozess, und die aktuellen Kräfteverhältnisse sprechen nicht für schnelle Erfolge. So endet das Jahr ohne Illusionen, aber auch ohne Resignation. Wo Analyse Orientierung stiftet und politische Handlungsoptionen konkretisiert werden, ist Gestaltung möglich – auch unter widrigen Bedingungen.
Wolfgang Schroeder, Vorstandsvorsitzender
Dominic Schwickert, Geschäftsführer



