Zukunft der Demokratie Wir in den Medien

“Kritik ist wichtig, damit sich das Format weiterentwickelt”

Mediale Reaktionen auf die Studie: "Die Talkshow-Gesellschaft"


Die Studie untersucht, wie es um die Repräsentation gesellschaftlicher Bereiche und politischer Ebenen in öffentlich-rechtlichen Talkshows bestellt ist. Viele der wichtigsten Medien griffen die Ergebnisse auf und ordneten sie ein.


Während der „ersten Welle“ der Corona-Pandemie nahm die Reichweite mancher Gesprächsformate von ARD und ZDF um 30 Prozent zu. Gleichzeitig stehen diese Sendungen für die Art von medialem Diskurs, durch die sich eine gesellschaftliche Minderheit nicht (mehr) repräsentiert fühlt und seinen VertreterInnen mitunter zunehmend aggressiv gegenübertritt. Um die Forschungsfrage Wer spricht für wen? zu beantworten, wurden die Gästelisten und Themen von 1.208 Talkshow-Sendungen über einen Zeitraum untersucht. 

 

Der Fokus der Analyse liegt auf den Big 4 der Talkshow-Landschaft: Anne Will, hart aber fair, Maischberger und Maybrit Illner. Für punktuelle Vergleiche wurden außerdem Markus Lanz und die Phoenix Runde ausgewertet.

 

Video zu Ergebnissen und Empfehlungen der Studie, gesprochen von der Co-Autorin Paulina Fröhlich:

 

Ich möchte mehr über die Studie erfahren

Presseecho auf “Die Talkshow-Gesellschaft”

„Wer dem politischen System misstraut, der schreit auch gerne „Lügenpresse“. Den Talkshows komme auf grund ihres Millionenpublikums und der anschließenden Berichterstattung darüber eine besondere Bedeutung zu. Die Studie ergibt, dass die Sendungen in wesentlichen Aspekten immer ähnlich ablaufen“, schreibt die Süddeutsche Zeitung im Exklusivartikel „Immer wieder sonntags“.

Eine Studie untersucht, welche Gäste in den großen Talkshows zu Wort kommen. Und stellt fest: Es sind immer wieder die gleichen Politiker und Journalisten zu sehen. Andere Perspektiven fehlen. – Süddeutsche Zeitung (Thomas Hummel)

„Was folgt aus diesen Studienergebnissen? Politische Talkshows könnten, so die AutorInnen Paulina Fröhlich und Johannes Hillje, nicht die ganze Brandbreite relevanter Stimmen zu einem Thema zu Wort kommen lassen. Was sie aber überrascht hat: Ausgerecht Organisationen, die in Umfragen ein  hohes Vertrauen in der Bevölkerung genießen (z.B. Verbraucherschutz, NGOs), sind besonders wenig in den Gesprächsrunden vertreten“, schreibt der Bayerische Rundfunk im Artikel „Talk-Shows: Die immer gleichen Köpfe auf dem Bildschirm“.

 

„Gleichzeitig sind die Autorin und der Autor darum bemüht, keine Fundamentalkritik zu formulieren. Es könnte nicht darum gehen, in jeder einzelnen Sendung die politische und gesellschaftliche Vielfalt exakt zu repräsentieren. Allerdings betonen Fröhlich und Hillje zugleich, dass Diversität eine demokratische Normalität in einer pluralistischen Gesellschaft sein sollte“, schreibt das Medienmagazin ZAPP des NDR im Artikel „Polit-Talkshows: Studie kritisiert mangelnde Vielfalt“. Der NDR hat nicht nur über die Studie berichtet, sondern auch beim Ersten Deutschen Fernsehen nachgefragt, u.a. was sie von den Ergebnissen der Studie halten und welche Pläne sie haben, um der gesellschaftlichen Vielfalt stärker gerecht zu werden:

…natürlich sind wir bestrebt, die gesellschaftliche Vielfalt auch in den Gästerunden entsprechend abzubilden. Das gelingt vielleicht nicht immer, aber zunehmend. So konnte etwa der Frauenanteil in den Panels von knapp 30% im Jahr 2016 auf etwa 40% in diesem Jahr 2020 gesteigert werden. Trotzdem bleibt die Abbildung der ganzen gesellschaftlichen Breite eine anspruchsvolle Aufgabe… – Das Erste Deutsche Fernsehen

„Die Studien-Autoren Paulina Fröhlich und Johannes Hillje plädieren angesichts dieser Ergebnisse dafür, Vertrauen zu stärken, lösungsorientierter zu debattieren und den politischen Blickwinkel zu weiten. Die zuletzt bei den Corona-Demos spürbare Entfremdung mancher Menschen von Medien und Politik sei auch als „Kirse der Repräsentation“ zu verstehen, schreibt der Tagesspiegel im Artikel „Studie zu Talkshows Gästebesetzung von TV-Talkshows verzerrt Realität“.

 

Im Deutschlandfunk Kultur bewertete Hans Dieter Heimendahl, Kulturkoordinator für Deutschlandradio, die Studie und begrüßte dabei die Kritik an der mangelnden Pluralität in Talkshows.

Kritik ist wichtig, damit sich das Format weiterentwickelt”. – Hans Dieter Heimendahl, Deutschlandradio

„Angesicht der Studie von Fröhlich und Hillje könnte man die Verantwortlichen der öffentlich-rechtlichen Hauptprogramme ja auch mal darauf ansprechen, ob sie schon mal über eine europapolitische Talkshow als regelmäßiges Format nachgedacht haben“, schreibt René Martens in der MDR MEDIEN360G Kolumne Das Altpapier „Talkshowshows sind auch bloß Cliquentreff“.

 

„Die Gäste sitzen im Halbkreis, tragen Anzüge und fallen sich dauernd ins Wort. So sehen politische Talkshows oft aus – und das ist auch kein Wunder, wenn man sich die Gästelisten anschaut“, schreibt der Deutschlandfunk Nova.

 

Das Statistikportal Statista griff die Studienergebnisse ebenfalls auf und visualisierte “Die Talkshow-Gesellschaft” in einer Infografik.

Infografik: Die Talkshow-Gesellschaft | Statista

 

 

„In ARD und ZDF wird nun wieder kräfitg debattiert- doch eine akutelle Studie liefert neue Kritik an den Talks von „Anne Will“ bis „Maischberger““, schreibt der Münchener Merkur im Artikel „Anne Will, Plasberg und Co. am Pranger: Studie deckt eklatante Mängel auf“.

„Studie: Wie undivers politische Talkshows zusammengesetzt sind“, erwähnt pidq.

Weiterhin berichteten auch die Frankfurter Rundschau oder taz über die Studie “Die Talkshow-Gesellschaft”.