Debattenbeitrag

Was würde Klaus tun?

Ein Nachruf
Foto: Oliver Lang / SPD Brandenburg

Klaus Ness war einer meiner besten Freunde. Jetzt ist er tot. Ich bin glücklich über die Jahre mit Klaus, untröstlich über seinen Tod. „Viel zu früh“ sei jemand von uns gegangen, heißt es immer wieder, und man fragt sich regelmäßig: Wann bitte wäre es denn richtig gewesen? Im Fall von Klaus stimmt die Floskel aber sehr präzise.

Sein Tod kam tatsächlich viel zu früh, denn Klaus war noch lange nicht fertig mit seinem Leben, mit seiner Arbeit, mit seinem Nachdenken über die Welt. Was Klaus konnte, was er wusste und was er im Laufe seines Lebens verstanden hatte, das war unendlich wichtig für die Sozialdemokratie und für das Land Brandenburg. Viele haben vieles von Klaus gelernt (wie umgekehrt auch er nie damit aufgehört hat, Neues lernen und verstehen zu wollen). Das heißt aber nicht, dass irgendein anderer nun maßstabsgetreu an seine Stelle treten könnte. „Niemand ist unersetzlich“ – dieser Satz jedenfalls wird sich mit Blick auf Klaus höchstens in formaler Hinsicht als zutreffend erweisen (aus Sicht der Familie und der Freunde eines Gestorbenen ist er ja sowieso immer Unfug). Na klar, es wird andere SPD-Fraktionsvorsitzende im Brandenburger Landtag geben, andere „Parteistrategen“ auch.

Aber ich bin mir sehr sicher: Das Land Brandenburg und auch die deutsche Sozialdemokratie werden in den kommenden Jahren noch viele schwierige Situationen erleben, in denen Klaus’ politische Klugheit und klare Orientierung dringend gebraucht würden. Denn das, wofür Klaus politisch mit aller Eindeutigkeit stand – die freie und offene Gesellschaft mit Lebenschancen und Würde für alle –, wird von den Feinden der offenen Gesellschaft bedroht, nicht nur in Brandenburg.

Die Frage „Was würde Klaus tun?“ wird bei künftigen politischen Entscheidungen also nicht der schlechteste Prüfstein sein. Aber wir werden eben nicht immer ohne weiteres darauf kommen, was Klaus tun würde und wie er es tun würde. Die Zeiten sind ernst. Umso öfter werden wir an Klaus denken. Umso mehr werden wir erkennen, wie verteufelt groß die Lücke ist, die er hinterlassen hat.





Tobias Dürr


published on

23. Dezember 2015


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