Zukunft der Demokratie

„Schleichend an die Macht“ analysiert Geschichtsschreibung der Neuen Rechten

Policy Fellow Andreas Audretsch und Historikerin Claudia Gatzka geben den Sammelband heraus


Wie die Neue Rechte Geschichte instrumentalisiert, um Deutungshoheit über unsere Zukunft zu erhalten, das untersucht der Sammelband „Schleichend an die Macht“. Das Buch erscheint im Juli. Neben der Analyse ist es eine Aufforderung an Politik und Wissenschaft sowie Lehrkräfte und Zivilgesellschaft, dem Missbrauch der Geschichte entgegenzutreten.


Die Neue Rechte strebt in Europa an die Macht. Eine ihrer stärksten Strategien: die Instrumentalisierung von Geschichte, um ihre Weltsicht in den Köpfen der Menschen zu verankern. Mythen über die Nation, ihre Helden und Freiheitskämpfe sollen Nationalismus und völkisches Denken wieder gesellschaftsfähig machen. Das zeigt: Wir müssen um die Geschichte kämpfen, auf dass die liberalen Grundwerte unserer Gesellschaft eine Zukunft haben.

In Deutschland beschwört die AfD über 1000 Jahre glorreichen Deutschtums. In Italien inszeniert sich Matteo Salvini in der Tradition italienischer Freiheitskämpfer. In Ungarn will Viktor Orbán sein Land zu „historischer Größe“ zurückführen. Und auch in der Corona-Krise versucht die Neue Rechte eine Renaissance des Nationalismus als Lösung zu propagieren. Die völkische Illusion „sauberer“, homogener Gesellschaften soll zum politischen Konsens der Zukunft werden. Dieses Buch analysiert die Strategie der Neuen Rechten in Europa und ist zugleich eine Aufforderung an Politik und Wissenschaft, Lehrkräfte und Zivilgesellschaft, dem Missbrauch der Geschichte entgegenzutreten.

„Schleichend an die Macht“ erscheint im Juli 2020

Das Buch „Schleichend an die Macht: Wie die Neue Rechte Geschichte instrumentalisiert, um Deutungshoheit über unsere Zukunft zu erhalten“ erscheint im Juli 2020 im Dietz Verlag und wird herausgegeben von Andreas Audretsch, Fellow beim Progressiven Zentrum, und Historikerin Claudia Gatzka. Zudem enthält die Veröffentlichung Beiträge von Jürgen Kocka aus dem Wissenschaftlichen Beirat, von Fellow Hedwig Richter und von Paul Jürgensen aus dem Programmbereich „Zukunft der Demokratie“.

 

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Im Interview mit Zeit Online, haben die HerausgeberInnen über Strategien neurechter Bewegungen in der Corona-Krise gesprochen. Laut Andreas Audretsch sind viele Verschwörungstheorien eng mit neurechtem Gedankengut verknüpft und finden vor allem online Gehör:

Die neurechten Thesen streuen in den Kanälen mittlerweile sehr weit. Das Protestbiotop von Telegram-Kanälen ist äußerst vielfältig, es reicht von den Kanälen der Neuen Rechten bis zu denen vieler Verschwörungstheoretiker mit teils weit über 100.000 Mitgliedern, und die durchdringen und reproduzieren sich gegenseitig.

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Über die HerausgeberInnen

Fellow Andreas Audretsch ist Politikwissenschaftler und arbeitete zuletzt als stellvertretender Leiter der Pressestelle und Sprecher des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Zuvor war er im Bundespräsidialamt zuständig für Grundsatzfragen der Kommunikation. Andreas Audretsch hat Politik, Publizistik und Soziologie studiert und an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam promoviert. Ehrenamtlich ist er Mitglied des Landesvorstandes von Bündnis90/Die Grünen Berlin.

Claudia Gatzka ist Historikerin am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte Westeuropas
an der Albert-LudwigsUniversität Freiburg. Zuvor war sie an der Humboldt Universität zu Berlin tätig. Für ihre Dissertation zurn Demokratie in Deutschland und Italien erhielt sie den Tiburtius-Preis der Berliner Hochschulen