In eigener Sache

Unser neuer Vorstand im Kurzportrait

Hier erfahren Sie, wer unsere Vorstände sind, was sie an- und umtreibt, und was sie gemeinsam erreichen wollen


Das Progressive Zentrum hat einen neuen Vorstand: Michael Miebach, Mitgründer des Think-Tanks und langjähriges Vorstandsmitglied, wurde zum Ersten Vorsitzenden gewählt. Er übernimmt die Position von Tobias Dürr, der sein Amt nach 12 Jahren erfolgreicher und wegweisender Arbeit niederlegt. Zweite Vorsitzende ist Judith Siller, die das Progressive Zentrum mit neuen Perspektiven bereichern wird. Außerdem gehören dem Vorstand an: die Berliner Integrationsbeauftragte Katarina Niewiedzial sowie Mitgründer und ehemaliger Chef der Senatskanzlei Brandenburgs Thomas Kralinski. In vier Kurzportraits stellen wir sie Ihnen vor.


 


Steckbrief

Michael Miebach ist Vorsitzender und Mitgründer des Progressiven Zentrums. Er studierte Politikwissenschaft an der Universität Göttingen und an der FU Berlin (Dipl.-Pol.) sowie an der London School of Economics (MSc in European Social Policy). Er war bis 2017 Leitender Redakteur der Zeitschrift „Berliner Republik“ und arbeitet als Referent im Deutschen Bundestag.

 

@MichaelMiebach

 

Was treibt Dich gesellschaftspolitisch an?

Viele Jahre galt Deutschland als Hort der Stabilität. Doch nun steht das „Modell Deutschland“ vor großen sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen, während zugleich rückwärtsgewandte Nationalisten die demokratischen Institutionen schlechtreden und beschädigen. In dieser Gemengelage müssen sich Progressive zum einen noch intensiver mit den Widersprüchen und Konfliktstrukturen von Globalisierung, Digitalisierung und Europäisierung auseinandersetzen – mit dem Ziel, die positiven Aspekte dieser Prozesse durch kluge Politik zu stärken und die Schattenseiten offenzulegen beziehungsweise einzudämmen.

Progressive müssen sich noch intensiver mit den Widersprüchen und Konfliktstrukturen von Globalisierung, Digitalisierung und Europäisierung auseinandersetzen.

Zum anderen müssen Progressive Strategien entwickeln, um Populismus und Nationalismus zurückzudrängen und die parlamentarische Demokratie zu stärken. Das Progressive Zentrum ist ein Ort, an dem über diese Themen intensiv nachgedacht wird. Wir führen eine ebenso lebendige wie konstruktive Debatte über die Bedingungen fortschrittlicher Politik, über die Entwicklungstrends unserer Gesellschaft und über konkrete politische Vorschläge.

Mich persönlich interessiert besonders die Zukunft des europäischen Sozialmodells: Wie schaffen wir langfristig gleiche Lebenschancen für möglichst viele – nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa? Mit seiner europäischen und internationalen Ausrichtung ist das Progressive Zentrum auf diesem Feld gut aufgestellt. Hier mitarbeiten zu dürfen, motiviert mich ungemein.

 

Welche Schwerpunkte willst Du beim Progressiven Zentrum setzen?

Als Vorsitzender kümmere ich mich um die Vereinsarbeit im engeren Sinne und arbeite zudem gemeinsam mit dem Team daran, das Progressive Zentrum strategisch weiterzuentwickeln. Es geht um Profilschärfung, zusätzliche Kooperationsmöglichkeiten, neue Projekte und die Ausweitung unserer publizistischen Aktivitäten. Darüber hinaus arbeite ich – wie bisher – in einzelnen Projekten des Progressiven Zentrums aktiv mit. Beispielsweise leite ich gemeinsam mit Prof. Dr. Wolfgang Schroeder eine Arbeitsgruppe zur Zukunft des Sozialstaates. Auch engagiere ich mich im „Netzwerk Parlamentarismus“, das wir gemeinsam mit dem Institut für Parlamentarismusforschung wieder ins Leben gerufen haben.

 

Welches Buch hast Du zuletzt gelesen – und welches kommt als nächstes?

Zuletzt gelesen habe ich „Utopien für Realisten“ von Rutger Bregman. Das ist der niederländische Historiker, der den globalen Wirtschaftseliten 2019 in Davos die Leviten gelesen hat. Er analysiert scharfsinnig, unter welchen Voraussetzungen neue Ideen in die Politik gelangen. Seine Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen teile ich allerdings dezidiert nicht. Als nächstes werde ich „Die falschen Freunde der einfachen Leute“ des brillanten österreichischen Publizisten Robert Misik lesen, ein enger Freund des Progressiven Zentrums. Und ein Roman liegt auf meinem Nachttisch, den Barack Obama als „terrific“ empfohlen hat: „The Underground Railroad“ von Colson Whitehead.

 

Judith Siller

 

Steckbrief

Judith Siller ist Zweite Vorsitzende des Progressiven Zentrums. Sie hat Volkswirtschaftslehre mit sozialwissenschaftlichem Schwerpunkt an der Universität Potsdam studiert. Während ihrer Schulzeit und dem Studium hat sie jeweils ein Jahr in England, Chile und Frankreich gelebt. Judith Siller arbeitet seit vielen Jahren zu den Themen Europäische Union und der Weiterentwicklung der Wirtschafts- und Währungsunion. Sie ist Redaktionsmitglied der Zeitschrift „polar“.

 

Was treibt Dich gesellschaftspolitisch an?

Ich freue mich darauf, mit dem Progressiven Zentrum die Antworten und Konzepte voranzubringen, mit denen gesellschaftlicher Fortschritt gelingt. Wie lässt sich im Angesicht von Klimawandel und forcierter Digitalisierung ein gesellschaftlicher Wandel beschreiben, der mutig und integrativ zugleich ist? Wie müssen wir unsere liberale Demokratie erneuern, um sie erfolgreich verteidigen zu können? Wie kommen wir zu einer neuen Verbindung von ökonomischer Produktivität, ökologischer Nachhaltigkeit und sozialer Teilhabe, die Zukunftsskepsis wieder in Zukunftsfreude verwandelt? Wie kommen wir – neben den Inhalten – zu einer Form der Politik, die Beteiligung, Entscheidungskraft und Vertrauen stärkt?

Wie müssen wir unsere liberale Demokratie erneuern, um sie erfolgreich verteidigen zu können?

Antworten auf diese Fragen sind ohne produktive Kontroversen und lautes gemeinsames Nachdenken nicht zu haben. Die neugierigen und klugen Köpfe über die Parteigrenzen hinweg dazu zu bringen – darauf wird es entscheidend ankommen. Und dafür braucht es das Progressive Zentrum.

 

Welche Schwerpunkte willst Du beim Progressiven Zentrum setzen?

Ich komme mit einem frischen Blick und werde sicherlich erstmal viel zuhören und fragen. Ich möchte dazu beitragen, dass das Progressive Zentrum auf seine Stärken baut und seine Potenziale nutzt. Dazu zählen Think-Tank-Arbeit, Diskurs und Vernetzung ebenso wie Bürgerdialog und gesellschaftliche Vermittlung. Progressive Politik braucht Orientierung – deshalb müssen wir die gesellschaftlichen Orientierungsdebatten beherzt führen. Progressive Politik braucht konkrete Antworten – deshalb brauchen wir die konkrete Arbeit an Konzepten und Vorschlägen. Progressive Politik braucht das Wissen um unterschiedliche Lebenslagen und Perspektiven – deshalb brauchen wir den Dialog und Brücken in unterschiedliche Milieus. Um unsere Aufgaben gut erfüllen zu können, wollen wir auch die Vorstandsarbeit selbst neu strukturieren.

 

Welches Buch hast Du zuletzt gelesen – und welches kommt als nächstes?

„Das Leben des Vernon Subutex“ von Vergine Despentes und „GRM“ von Sibylle Berg. Zwei Bücher über das Herausfallen, über die Randzonen der Gesellschaft, aber – zumindest bei Despentes – auch über das Gelingen einer neuen Zusammenkunft. Gerade lese ich „Heimat“. Das ist ein Comic von Nora Krug über die Kräfte der Geschichte am Beispiel der eigenen Familiengeschichte. Eine graphisch wie erzählerisch beeindruckende Spurensuche.

 


Steckbrief

Katarina Niewiedzial ist Mitglied des Vorstandes des Progressiven Zentrums. Seit 2019 arbeitet sie als Beauftragte des Senats von Berlin für Integration und Migration. Zuvor war sie die Integrationsbeauftragte von Berlin-Pankow. Von 2007 bis 2014 leitete sie das Progressive Zentrum als Gründungsgeschäftsführerin. Sie studierte Politikwissenschaft und Ökonomie in Berlin, Limerick (Irland) und Oldenburg.

 

Katarina Niewiedzial / Integrationsbeauftragte

 

Was treibt dich gesellschaftspolitisch an?

Ich bin im Alter von 12 Jahren aus Polen nach Deutschland eingewandert. Polen war damals ein sozialistischer Staat. In Deutschland habe ich die Demokratie kennen gelernt und die Idee der Aufklärung: Das Argument zählt. Die Möglichkeit, die Gesellschaft mitzugestalten, ist ein Wert an sich und treibt mich enorm an. In den vergangenen Jahren habe ich mich verstärkt der Einwanderungspolitik gewidmet.

Als Integrationsbeauftragte des Berliner Senats setze ich mich dafür ein, die Teilhabe und Sichtbarkeit von MigrantInnen im öffentlichen Leben zu stärken.

Aus meiner Sicht ist die Integrationsdebatte der wichtigste Selbstverständigungsdiskurs in Deutschland seit der Wiedervereinigung. Dass auch das Progressive Zentrum sich an diesen Diskussionen aktiv beteiligt, freut mich sehr. Als Integrationsbeauftragte des Berliner Senats setze ich mich dafür ein, die Teilhabe und Sichtbarkeit von MigrantInnen im öffentlichen Leben zu stärken.

 

Welche Schwerpunkte willst Du beim Progressiven Zentrum setzen?

Als Gründungsgeschäftsführerin habe ich schon damals den Anspruch gehabt, dass unser Think-Tank über den deutschen Tellerrand hinausblickt und sich international vernetzt. Das finde ich nach wie vor wichtig. Wo immer ich kann, unterstütze ich den Austausch mit politischen Akteuren, WissenschaftlerInnen und Intellektuellen aus anderen Ländern.

 

Welches Buch hast Du zuletzt gelesen – und welches kommt als nächstes?

Ich lese immer mehrere Bücher gleichzeitig. Derzeit unter anderem „Die Macht der Geografie“ von Tim Marshall mit interessanten Einblicken in die Geopolitik und den Band „Heimat ist Alptraum“, herausgegeben von Fatma Aydemir und Hengameh Yaghoobifarah, mit 14 persönlichen Essays von MigrantInnen.

 

 

Steckbrief

Thomas Kralinski ist Mitglied des Vorstandes und Mitgründer des Progressiven Zentrums. Er studierte Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre und Osteuropawissenschaft in Leipzig und Manchester (UK). Zuletzt war er in Brandenburg Chef der Staatskanzlei sowie Staatssekretär für Bundesangelegenheiten, Medien, Digitalisierung und internationale Beziehungen.

 

Was treibt Dich gesellschaftspolitisch an?

Das Leben von Menschen ein kleines bisschen einfacher und besser zu machen. Eine der Fragen, die mich umtreiben: Wie kann es gelingen, Ostdeutschland nach vorne zu bringen? Wenn Digitalisierung die Art und Weise, wie wir leben, arbeiten, lernen und wohnen verändert: Wie kriegen wir den nötigen Kultur- und Bewusstseinswandel hin, damit Menschen und Regionen mitgenommen werden – und nicht „übrig“ bleiben.

Wie kann es gelingen, Ostdeutschland nach vorne zu bringen?

 

Welche Schwerpunkte willst Du beim Progressiven Zentrum setzen?

Kreativität und neue politische Ideen entdecken, fördern und entwickeln. Davon kann es gerade nicht genug geben.

 

Welches Buch hast Du zuletzt gelesen – und welches kommt als nächstes?

„Wie Demokratien sterben. Und was wir dagegen tun können“ – von Daniel Ziblatt und Steven Levitsky. Und danach: „Das Ende der Illusionen“.

 


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