Geschichten des Extremismus

 

Über das Projekt 

 

Nicht erst seit den Fridays For Future Protesten der vergangenen Jahre ist klar: Eine lebendige Demokratie wird auch durch eine tatkräftige Jugend gestaltet. Dabei ist das Erleben von Selbstwirksamkeit und Gestaltungsmacht als Teil eines Kollektivs zentraler Bestandteil demokratischer Willensbildung. Diese Wirksamkeit erleben viele Jugendliche jedoch eben nicht: der Lebensabschnitt ist häufig von Veränderungen, Verunsicherung, persönlichen Krisensituationen und Orientierungslosigkeit geprägt.

Viele fühlen sich nicht einmal einem Kollektiv zugehörig – sie sind einsam. Distanzunterricht, Online-Seminare und -Vorlesungen sowie ein eingeschränktes und verändertes Freizeitangebot haben während der Coronapandemie jenen Einsamkeitserfahrungen Vorschub geleistet. Dabei sind soziale Räume, in denen Jugendliche ihre demokratische Wirksamkeit erfahren können, zentral für eine lebendige Demokratie. 

 

Übergreifende Ziele 

 

Das mehrjährige Modellprojekt kollekt widmet sich Einsamkeitserfahrungen unter Jugendlichen und geht der Frage auf den Grund, inwiefern sie demokratieentfremdende Tendenzen oder gar extremistische Denkmuster befördern können. Ein narrativer Zugang soll dabei helfen, den Geschichten und Erfahrungswelten von Jugendlichen Gehör zu schenken, sie zu verstehen und mögliche strukturelle Zusammenhänge zur gesellschaftlichen Zugehörigkeit oder Entfremdung herzustellen. Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen wie: Welche gesamtgesellschaftlichen Implikationen können Einsamkeitserfahrungen im Jugendalter haben? Haben einsame Jugendliche eine stärkere Offenheit gegenüber Denkmustern, die Komplexität reduzieren, Orientierung stiften und Halt bieten? Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang extremistische und verschwörungsideologische Deutungsmuster? In Zusammenarbeit mit einem wissenschaftlichen Netzwerk sowie Partner:innen aus der Jugend- und Präventionsarbeit möchte das Projekt über die Grenzen einzelner Disziplinen hinweg Brücken zwischen Theorie und Praxis, sowie Jugendlichen und Politiker:innen bauen. 

 

Die Projektphasen

 

In der ersten Projektphase wird der Zusammenhang von Einsamkeitserfahrungen und extremistischen sowie verschwörungsideologischen Einstellungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen qualitativ und quantitativ näher erforscht.

Im nächsten Schritt soll ein narrativer Zugang durch das Sammeln von Geschichten an verschiedenen Orten in Deutschland vertieft werden.

Gemeinsam mit Praktiker:innen aus der Jugend- und Präventionsarbeit werden in der dritten Projektphase Formate entwickelt, um neue Erkenntnisse für die Präventionsarbeit zu generieren.

Abschließend werden Jugendliche mit Politiker:innen in den Austausch treten und so konkrete Handlungsempfehlungen in den politischen Raum tragen. 

 

Unser wissenschaftliches Netzwerk

 

Professorin Dr. Beate Küpper

Professorin für Soziale Arbeit in Gruppen und Konfliktsituationen, Hochschule Niederrhein

Forschung zu gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, Rechtspopulismus und Rechtsextremismus; Einstellungsforschung und Wissenschafts-Praxis-Transfer

 

 

Professorin Dr. Maike Luhmann

Professorin für Psychologische Methodenlehre, Ruhr-Universität Bochum

Forschung zu Ursachen von Einsamkeit

 

 

Professorin Dr. Claudia Neu

Professorin für Soziologie ländlicher Räume an den Universitäten Göttingen und Kassel

Sozialräumliche Ungleichheitsforschung

 

Begleitet durch

 

 

Jérémie Gagné

Policy Fellow, Das Progressive Zentrum

Weitere Informationen folgen in Kürze. Sie möchten über Kollekt und weitere Projekte des Progressiven Zentrums informiert werden? Hier beim Newsletter anmelden.