Discussion Paper

Glotzt nicht so romantisch!

2020 | Paulina Fröhlich & Tobias Gralke

Politische Bildungsarbeit ist eine der wichtigsten Aufgaben für die Zukunft der liberalen Demokratie. Das Erstarken von Autoritarismus und Nationalismus macht deutlich, dass demokratisches Bewusstsein keine Selbstverständlichkeit ist, sondern immer wieder neu entwickelt werden will. Um den demokratiefeindlichen Bedrohungen nachhaltig zu begegnen und die Lust an Teilhabe zu stärken, bedarf es ganzheitlicher Ansätze, die über die Vermittlung von Theoriewissen hinausgehen. Dazu lohnt es sich, dorthin zu schauen, wo junge Menschen Demokratie-Erfahrungen machen können, ohne dass „Politische Bildung“ auf dem Stundenplan steht.


Demokratieförderung durch Schultheater

Woran denken Sie beim Wort Schultheater? An Atemübungen, Klatschkreise und Impro-Spiele? An das Unbehagen, sich vor anderen zu zeigen, die Angst, vor Nervosität den Text zu vergessen? Vielleicht aber auch an eine besonders motivierte Lehrerin und eine freiwillige AG-Doppelstunde pro Woche. Häufig eilt dem Fach Theater ein Ruf der harmlosen Spielerei und der elitären Selbstbeschäftigung für SchülerInnen aus bildungsbürgerlichen Elternhaus voraus. Doch Theater kann deutlich mehr sein als ein bloßer Raum zur Interpretation von Brecht, Shakespeare oder Büchner. Es gibt auch gute Gründe dafür, Schultheater als einen relevanten Baustein der Demokratieförderung zu begreifen und aufzuwerten.

 

 

 

 

„Glotzt nicht so romantisch!“

ein Discussion Paper von Paulina Fröhlich und Tobias Gralke

Ich möchte das Papier lesen

 

 

 

 

 

Daher diskutiert dieses Paper das demokratiefördernde Potential von Theaterarbeit an Schulen – und rät dazu, sie als einen relevanten Baustein der Demokratiepädagogik zu begreifen und entsprechend bildungspolitisch aufzuwerten. Dazu wird anhand verschiedener Beispiele, wie dem TUSCH-Festival, dem Berliner Maxim Gorki Theater oder einem Bildungsprojekt von OPENION aufgezeigt, wie eine erfolgreiche demokratiefördernde Theaterarbeit aussehen kann.

 

Die drei Handlungsempfehlungen:

  • Theater als gleichwertiges Schulfach verstehen
  • Kooperationsmöglichkeiten fördern
  • Ausbildung ausbauen

 


Über die AutorInnen

 

Paulina Fröhlich ist Leiterin des Programmbereichs Zukunft der Demokratie des Progressiven Zentrums. Dort leitet sie u.a. innovative Dialogformate mit BürgerInnen, wie „Europa hört – eine Dialogreise“, und Projekte zum souveränen Umgang mit demokratiefeindlichem Populismus im öffentlichen Raum. Zuvor war sie als Mitbegründerin und Pressesprecherin bei der Initiative Kleiner Fünf tätig, die Menschen darin unterstützt, mithilfe “radikaler Höflichkeit” gegen Rechtspopulismus aktiv zu werden. Paulina arbeitete zuvor bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) sowie der Krah AG. Sie studierte Geographie und Islamwissenschaft an der WWU Münster und der University of Helsinki, gefolgt von einem MSc in Integrated Water Resource Management an der TH Köln und der Jordan University.

 

Tobias Gralke arbeitet als freiberuflicher Theatermacher, Workshopleiter, Gesprächsgestalter, Autor und Lehrbeauftragter zwischen Kulturbetrieb, Politischer Bildung und Demokratieforschung. Er studierte Germanistik und Philosophie in Freiburg sowie Inszenierung der Künste und Medien in Hildesheim – dazwischen war er am Theater Freiburg und beim Progressiven Zentrum tätig. Seine Arbeiten beschäftigen sich mit politischen Erfahrungsräumen und biographischen Erzählungen der Gegenwart, der Zukunft der Demokratie sowie Protest und politischer Ästhetik im digitalen Zeitalter. Er ist u.a. Mitglied der Initiative Kleiner Fünf, Vorstandsvorsitzender von Tadel verpflichtet! e.V. und Teil der Geheimen Dramaturgischen Gesellschaft.

 

Weitere Impulse zur Zukunft der Demokratie?