Zukunft der Demokratie

Demokratie ist mehr als eine Methode

Carolin Gebel diskutiert Kompetenzfelder für erfolgreiche Partizipation im Arbeitsalltag


Gerade in Krisenzeiten wird deutlich, wie stark Verantwortungsdruck in schwierigen Entscheidungsfragen auf Menschen in Politik und Verwaltung lastet. In solchen Situationen tendieren Organisationen dazu, ExpertInnen zu konsultieren. Doch komplexe Aufgaben lassen sich nicht allein durch Expertise Einzelner lösen. Vielmehr eignen sich auch partizipative Dialogformate. In diesem Zusammenhang präsentiert das vorliegende Discussion Paper “Demokratie ist mehr als eine Methode” relevante Kompetenzfelder und zeigt wie erfolgreiche Partizipation gelingen kann.


In der Unternehmens- und Verwaltungswelt nimmt die Demokratisierung des Arbeitsalltags in Form von partizipativen Prozessen immer stärker zu. Private als auch öffentliche Organisationen experimentieren mit neuen Methoden aus der Organisationslehre, um beteiligungsorientierte Entscheidungsprozesse zu ermöglichen.

Allerdings erleben Organisationen, dass sich theoretische Konzepte nicht reibungslos in die Praxis umsetzen lassen und gewünschte Erfolge ausbleiben können. Die reine Umsetzung theoretischer Erkenntnisse ist kein Erfolgsgarant: Vielmehr bedarf es der Erlernung konkreter Prozessgestaltungskompetenzen, die zu einer nachhaltigen und lebendigen Implementierung der Partizipations- und Dialogprozesse im Arbeitsalltag beitragen.


„Demokratie ist mehr als eine Methode“

ein Discussion Paper von Carolin Gebel

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Vier Kompetenzfelder für erfolgreiche Partizipation

  1. Sich-Selbst-Führungs-Kompetenz als Fähigkeit, sich für eigene Interessen einsetzen zu können und andere dafür begeistern zu können: Im Arbeitsalltag heßt das, den Mut zu haben, Entscheidungen zu treffen, eigene Ansichten sichtbar und verständlich zu machen, sowie sich der Ambivalenzen und Unsicherheiten des eigenen Urteils bewusst zu werden.
  2. Sich-Selbst-Bewusst-Sein und dadurch Kontakt mit „anderen“ als Bereicherung und nicht als Anstrengung oder Bedrohung zu empfinden. Dabei sind Begegnungsräume, die einen Perspektivenwechsel erlauben, entscheidend, um Konfrontationen besser zu bewältigen und sie im Hinblick auf innere Widerstände anderer und der eigenen Person zu verstehen.
  3. Die Fähigkeit, Dialog-Prozesse partizipativ gestalten zu können, statt sich von Interessenvielfalt stressen oder von gefühlter Ohnmacht demotivieren zu lassen. Hierbei ist es von zentraler Bedeutung, Führung als sozialen Prozess zu verstehen, der darum bemüht ist, Perspektivenvielfalt konstruktiv zu integrieren und partizipative Dialoge zuzulassen.
  4. Echte Communities of Practice, die einladen, das eigene und gemeinsame Tun zu reflektieren, zu experimentieren und in eine neue, ungewohnte Praxis „zu stolpern“. Damit die Evaluation von Fehlern zum Fest wird, weil sie als Bereicherung empfunden wird, bedarf es einer wertschätzenden Atmosphäre der Gemeinschaft.

Hintergrund des Discussion Papers

Die vorgestellten Schlüsselkompetenzen zur Verwirklichung lebendiger Demokratie im Arbeitsalltag wurden im Rahmen einer Learning Journey im Progressiven Zentrum im Frühjahr/Sommer 2018 ergründet. Die Learning Journey, geleitet von Hanno Burmester, Policy Fellow und Organisationsberater, und Carolin Gebel, Personal- und Organisationsentwicklerin, hatten Menschen aus unterschiedlichen Arbeitskontexten (u.a. Ministerien, Zivilgesellschaft, Parteien) ins Progressive Zentrum eingeladen, um gemeinsam in mehrtägigen Workshops Schlüsselkompetenzen für Change-Agency, mit einem Fokus auf Nachhaltigkeit, Empowerment sowie Selbstreflexion und Stärkung der (Dialog-) Prozessgestaltungskompetenz zu entwickeln und zu erlernen. 

Über die Autorin

Carolin Gebel arbeitet seit 20 Jahren als Personal- und Organisationsentwicklerin und Coach in und für verschiedene politische und zivilgesellschaftliche Institutionen und Unternehmen. Zu ihren aktuellen Arbeitsschwerpunkten als selbständige Beraterin und Facilitatorin gehören die Prozessbegleitung von Kultur-Veränderungsprozessen, Community building, partizipative Dialog-Prozessgestaltung, sowie Kompetenzentwicklung für Transformation und Leadership. Ihr politikwissenschaftliches Interesse gilt Fragen der Gestaltung einer partizipativeren lebendigen Demokratie und dem Empowerment demokratischer Selbstorganisation innerhalb von Organisationen durch Förderung von Prozessgestaltungskompetenz.

 

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