In eigener Sache

Das "Ändern leben": in Europa und im eigenen Haus


Geschäftsführer Dominic Schwickert reflektiert über die Monate vor der Europawahl und die Neuaufstellung des Teams. Ein Leitartikel für den Newsletter 1/2019.


Europa: Stillstand nützt nur den Feinden

„Es könnte Europa ergehen, wie es Weimar ergangen ist – wenn es zu wenige Europäer gibt, die die EU voranbringen wollen,“ mahnte Heribert Prantl Anfang des Jahres zu 100 Jahren Weimarer Republik. Er hat recht. Denn es reicht schlichtweg nicht, immerzu das Bewahrende und Europas großartige Errungenschaften zu beschwören.

Wir müssen mutiger und auch radikaler über die konkrete Weiterentwicklung der europäischen Idee und seiner Strukturen, Institutionen, Prozesse und auch Dialog-Arenen streiten. Tun wir dies nicht, dann überlassen wir den Veränderungsdiskurs den extremen rechten Kräften. Als beste Antwort auf radikale Kräfte gilt es Wege zu finden, wie Europa demokratischer, sozialer und fortschrittlicher werden kann. Mit diesen können wir dann die politische Auseinandersetzung suchen – leidenschaftlich und zugleich hart entlang von starken Argumenten.

Dieser “starker Argumente”-Ansatz macht unsere Aktivitäten als europäisch ausgerichteter Think-Tank in den Tagen und Wochen vor der Europawahl aus. Sei es mit

Beachtung verdient zudem eine neue Studie zum Selbstverständnis der Deutschen in der Europäischen Union, die ebenfalls von Johannes Hillje in Zusammenarbeit von der Heinrich-Böll-Stiftung und Das Progressive Zentrum entstanden ist. Die Befunde der Erhebung, die rund vier Monate vor den Europawahlen mit Hilfe von qualitativen Gruppendiskussionen und einer quantitativen Umfrage durchgeführt wurde, zeigen deutlich, dass der häufig bemühte Zahlmeister-Mythos im Widerspruch zu den tatsächlichen Einstellungen der deutschen Bevölkerung steht. Die Mehrheit der Deutschen wünscht sich eine aktivere Europapolitik und ist bereit, mehr in die Zukunft Europas und damit in die eigene Zukunft zu investieren. Johannes Hillje empfiehlt, dass Parteien und PolitikerInnen lieber das durchaus vorhandene Bild des “Zukunftsmeisters Deutschland” fördern sollten, anstatt den Mythos des Zahlmeisters zu festigen. Hier liefert die Studie Zahlen und insgesamt einen Vorschlag für die Grundzüge eines neuen Selbstbildes Deutschlands. Sie zielt letztlich darauf ab, eine Debatte anzustoßen über eine veränderte Rolle und Haltung Deutschlands in und zu Europa. Den Link zur Studie und erstes Medienecho finden sich hier.

Schließlich noch die herzliche Einladung zur großen “Europawahl-Nacht” der Hertie School of Governance und des Jacques Delors Instituts Berlin am 26. Mai ab 19:00 Uhr, bei dem Das Progressive Zentrum Partner ist. Hier können sich die Gäste bei Getränken, Snacks und Musik auf einen Mix aus „Public Viewing“, Analysen und Debatten der Ergebnisse sowie Live-Schalten in andere EU-Länder freuen. Hier kann man sich anmelden.

Organisationsinterne Hausaufgaben: Profil schärfen und Team neu aufstellen

Unter Federführung des Vorsitzenden unseres Wissenschaftlichen Beirats, Wolfgang Schroeder, haben wir nach einem intensiven Diskussions- und Review-Prozess in einem Papier wesentliche programmatische Leitplanken für unsere Arbeit in den kommenden Monaten abgesteckt. Im Vordergrund des Positionspapiers mit dem Titel „Dem Fortschritt wieder Richtung gebensteht einerseits die Frage, wie in politisch unruhigen Zeiten gesellschaftlicher Zusammenhalt und das Zusammenspiel von sozialem, ökonomischem und ökologischem Fortschritt gelingen kann. Und andererseits, mit welchen neuen Impulsen für unsere liberale und soziale Demokratie wir als Think-Tank und Ideen-Inkubator innerhalb unserer drei Programmbereiche „Strukturwandel“, „Zukunft der Demokratie“ und „Internationale Beziehungen“ dazu einen Beitrag leisten können.

Es gehört zur DNA von kompakten und sich dynamisch entwickelnden Organisationen, dass sie sich permanent wandeln – auch personell. Zur Verstärkung unseres Berliner Teams haben wir aktuell für den nächstmöglichen Zeitpunkt gleich drei neue spannende Stellen ausgeschrieben, auf die ich an dieser Stelle gern aufmerksam machen möchte (Please spread the word!):

  1. eine Büroleitung (w/m/d) in Vollzeit;
  2. ein/e (Senior)-Projektmanager/in in Vollzeit in unserem Programm „Zukunft der Demokratie“;
  3. ein/e Projektassistenz (w/m/d) in Teil- oder Vollzeit in den Programmen „Zukunft der Demokratie“ und „Internationale Beziehungen“.

Die neuen KollegInnen erwartet ein junges, hochmotiviertes Team in einem inspirierenden und transformatorischen Umfeld – und viel Selbstwirksamkeit. Die Ausschreibungen sind hier zu finden.

Welche Personalie mich und uns ebenfalls außerordentlich freut: Meine Vorgängerin als Geschäftsführerin und Mitglied des Vorstands, Katarina Niewiedzial, ist seit dem 1. Mai 2019 die neue Integrationsbeauftragte von Berlin (offizielle Bezeichnung „Beauftragte des Berliner Senats für Integration und Migration“). Der Antritt dieses spannenden Amts ist mit viel positivem Presseecho in deutschen und polnischen Medien begleitet worden (z.B. Inforadio oder Berliner Zeitung). Nicht von ungefähr: Wie eine der attraktivsten Städte Europas mit Einwanderung und den damit verbundenen Fragen von Zugehörigkeit und kultureller Inklusion umgeht, wird ins ganze Land ausstrahlen – und darüber hinaus.

Ich wünsche uns allen eine erfolgreiche Zeit und ein gutes Abschneiden der progressiven Kräfte bei der Europawahl.

 

Europäische Grüße

Dominic Schwickert

 


Dieser Artikel ist das Editorial zum Newsletter 1/2019.





Dominic Schwickert


published on

15. Mai 2019


Schlagwörter

EuropaEuropäische UnionThink Tanks