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Das blasse Glück der Demokratie
15. April 2009 Anlässlich des 150. Todestages von Alexis de Tocqueville würdigt der Soziologe Wolf Lepenies in der Welt die bleibenden Errungenschaften dieses französischen Denkers. Gerade de Tocquevilles unsentimentale Analyse der Demokratie habe den Test der Zeit hervorragend überstanden: Der moderne Mensch muss den ständigen Zwiespalt zwischen dem Freiheits- und Gleichheitsversprechen der Demokratie aushalten. De Tocqeuville warnte davor, "einer Ungleichheit in der Freiheit die Gleichheit in der Knechtschaft vorzuziehen". Er sprach sich gegen kulturelle und politische Gleichförmigkeit aus, während gleichzeitig die Mehrung persönlichen Reichtums zur einzigen demokratischen Leidenschaft wird. Zum Artikel
Ruhe ohne Sturm
14. April 2009 Dieter Rucht vom Berliner Wissenschaftszentrum für Sozialforschung geht in der taz der gegenwärtigen Schwäche der Gewerkschaften auf den Grund. Diese seien längst nicht mehr als Teil einer sozialen Bewegung erkennbar. Darüber hinaus lähme falsche Rücksichtnahme auf die Regierungsverantwortung der SPD die Gewerkschaften. Es fehle ihnen zu guter letzt die analytische Schärfe, um die Wirkungsweise der hochkomplexen Finanzmarktprodukte, die der Krise zu Grunde liegen, zu durchleuchten. Zum Artikel
The Environment is too important to be left to the green movement
12. April 2009 Will Hutton beschäftigt sich im Observer mit dem status quo der Umweltbewegung. Er kritisiert deren Fixierung auf worst case scenarios, da sie einer rationalen Risikoabwägung im Wege stünden. Außerdem verdamme Entwicklung, die ausschließlich nachhaltig sein muss, die Staaten der Dritten Welt zu Armut. Stattdessen wünscht sich Hutton ein Comeback staatlicher Lenkung, die ein konzertiertes Vorgehen gegen den Klimawandel ermögliche. Zum Artikel
Is Informal Normal?
8. April 2009 Die OECD legt die Ergebnisse ihrer Studie über sich rasch verändernde Arbeitsverhältnisse vor. Darin weist sie nach, dass immer mehr Menschen weltweit in prekären Beschäftigungsverhältnissen ohne soziale Absicherung leben. Bis 2020 werde dies zwei Drittel der Weltbevölkerung betreffen. Um dagegen wirksam vorzugehen seien vor allem Weiterbildungsmaßnahmen, institutionelle Reformen, öffentliche Aufträge sowie ein leichterer Zugang zu Mikrokrediten nötig. Zum Artikel
Die Milchmädchenrechnung
7. April 2009 In der Welt meint der Soziologe Gerhard Schulze, die Geißelung der Manager-Gier greife zu kurz. Von Jürgen Habermas‘ Unterscheidung zwischen Lebenswelt und System ausgehend, verweist er darauf, dass Systeme unseren in der privat-familiären Lebenswelt geformten Erfahrungen oft zuwiderlaufen. Während der Altruismus in unserer Privatsphäre zum Ideal wird, würde er im Wirtschaftssystem seine schädliche Wirkung entfalten. Anstatt sie zu widerlegen, bestätige die Weltwirtschaftskrise deshalb neoliberale Theorien des Staatsversagens. Zum Artikel
Unternehmen Universität
6. April 2009 Für den Liberalismus gibt es ein Leben nach dem Tod, konstatiert Thomas Steinfeld in der Süddeutschen Zeitung: Unternehmerische Ideen dringen in immer tiefere Bereiche des gesellschaftlichen Lebens vor. Gerade im Bildungssektor sind Schlagworte wie Wettbewerb und Qualitätsmanagement aktueller denn je. Selbst Universitätsprofessoren müssen Zielvereinbarungen erfüllen. Ständige Evaluierungs- und Messzwänge drohen, wissenschaftliches Arbeiten auf Dauer zu deformieren. Zum Artikel
The London summit has not fixed the crisis
5. April 2009 In der Financial Times erklärt Wolfgang Münchau den G20-Gipfel für gescheitert, denn das Hauptproblem der Unterkapitalsierung von Banken bleibt bestehen. Daher prophezeit Münchau weitere Konjunkturpaket nach der Sommerpause. Obwohl Bankenrettungen erneut notwendig werden könnten, fürchtet er, die Geduld der Öffentlichkeit sei am Ende. Zum Artikel
Vies familiale et professionnelle: la nouvelle donne
April 2009 In der französischen Monatsschrift Etudes warnt Nathalie Sarthou-Lajus vor einer zu engen Ausrichtung auf investive Sozialstaatlichkeit und individuelle Karriereplanung. Sie verweist auf das Konzept der "care", das vor allem in US-amerikanischen Sozialdiskursen zunehmend an Bedeutung gewinnt. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels insistiert sie darauf, dass unsere Gesellschaften nicht nur aus gesunden und eigenverantwortlichen Leistungsträgern bestehen können. Die Sorge um und Pflege von Anderen stellten eine enorme persönliche und gesellschaftliche Herausforderung dar. Im Kleinen müsse die sozialstaatliche Anerkennung und Professionalisierung von Pflegetätigkeiten da Abhilfe schaffen. Im Großen könne die Erweiterung des "care"-Begriffes auf unsere Arbeitswelt dem allgegenwärtigen performativen Zwang zum Mehr eine nachhaltige Alternative entgegensetzen. Zum Artikel

