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Has the left blown its big chance of success?
17. August 2009 Im Guardian fasst Andy Beckett noch einmal das Dilemma der Linken im Krisenjahr 2009 zusammen. Der zügellose Finanzkapitalismus sei in Theorie und Praxis auf ganzer Linie gescheitert. Darüber hinaus komme die neuere sozialwissenschaftliche Literatur zu dem Schluss, dass gesellschaftliche Probleme in markradikalen Staaten besonders ausgeprägt sind. Allein, sozialdemokratische Parteien können aus der Krise kaum politisches Kapital schlagen: Während in Europa nationalistische Parteien zulegen, nehme die Sozialdemokratisierung konservativer Volksparteien Progressiven die Luft zum atmen. Warum nur? Es fehle an positiven Gestaltungsideen. So wurde das Feld der Wirtschaftswissenschaften den Neoliberalen bereits in den achtziger Jahren überlassen. Die Arbeiterschaft des Industriezeitalters, auf die sich Sozialdemokraten stets stützten, ist im Verschwinden begriffen. Mittlerweile seien es links von der Mitte vor allem grüne Parteien, die zuversichtlich in die Zukunft blicken. Zum Artikel
Die Vermessung des Wohlstands
13. August 2009 In der taz versucht sich Stephan Kosch an einer Antwort auf die Frage, wie angesichts des Klimawandels und knapper werdender Ressourcen Wohlstand eigentlich zu messen ist. Das klassische Instrument des Bruttoinlandsproduktes sei nämlich nicht in der Lage, Auskunft über wichtige Faktoren qualitativen Wohlstands zu geben: Dazu gehören die Betreuung von Kindern und Alten genauso wie die Umwelt- und Gesundheitskosten herkömmlichen Wirtschaftswachstums. Der Ökonom Amartya Sen berücksichtigt im von ihm entwickelten Human Development Index sogar Faktoren wie Bildung, Kriminalitätsrate und Freizeitgestaltung. Mittlerweile arbeitet selbst die EU an neuen Möglichkeiten, qualitativen Wohlstand zu messen, denn Volkswirtschaften können sich nicht länger auf exorbitant hohe Wachstumsraten stützen. Zum Artikel
How to do it better
12. August 2009 Es ist eine der großen Ironien der jüngeren Wissenschaftsgeschichte: Je größer das Ansehen von John Rawls‘ Ideen in den Universitäten, desto geringer ihr Einfluss auf den Weltenlauf. Er, der stets vorgab auf ideale Gerechtigkeitsverhältnisse hinzuarbeiten, rechtfertigte in seinen späteren Werken zusehends den politischen Status Quo. Zu diesem Schluss kommt auch Amartya Sen in seiner aktuellen Veröffentlichung The Idea of Justice, die der Economist wohlwollend rezensiert. Für Sen heißt das zentrale Problem politischen Denkens soziale Ungerechtigkeit. Ihm geht es dabei wenige um institutionelle Fragen, sondern vielmehr um wirkliche Verbesserungen im Leben der Menschen. Daher gilt es, sich für die Verwirklichung von Entwicklungschancen einzusetzen, für die die Bekämpfung von Armut, Krankheit und Diskriminierung in jeglicher Form unerlässlich ist. Zum Artikel
The Death of Ideas
11. August 2009 Im New Statesman sucht Dominic Sandbrook nach neuen progressiven Ideen, die in Großbritannien das Vakuum nach dem selbstverursachten Thronsturz der marktradikalen Ideologie ersetzen könnten. Was auch immer man von ihnen halten mag: Clement Attlees und Margaret Thatchers Politik verwies zumindest auf eine ideengeschichtliche Heimat. Ist die gegenwärtige Abwesenheit solcher big ideas lediglich der Realität eines post-ideologischen Zeitalters geschuldet? Sandbrook erscheinen demografisch-soziologische Gründe überzeugender: Alle Politiker im Jahre 2009 sind Kinder des Thatcherismus. Darüber hinaus ähnelt die politische Klasse Großbritanniens zusehends ihrem französischen Nachbarn. Das Pendant zur ENA heißt Oxbridge. Hie wie da geht es nicht darum Denker zu fördern, sondern Verwaltungswissenschaftler auszubilden. Wer soll also das weite Feld der Zukunft beackern, auf dem genug Arbeit auf progressive Denker wartet: Globalisierung, EU-Erweiterung, Vereinbarkeit von Wachstum und ökologischen Nachhaltigkeitskriterien? Zum Artikel
Peters Gang
10. August 2009 Im Guardian interviewt Decca Aitkenhead Peter Mandelson, den eigentlichen Architekten des New Labour-Projektes, der erst vor einem Jahr als Wirtschaftsminister in Gordon Brown’s Kabinett zurückgekehrt ist. Nach seiner Zeit als EU-Handelskommissar steht Mandelson nun ausgerechnet in der Wirtschaftskrise auf dem Zenit seiner Macht. Obwohl die von ihm verfochtene Privatisierung der Royal Mail und die geplante Erhöhung der Studiengebühren in der Öffentlichkeit überaus unbeliebt sind, gilt Mandelson weithin als New Labours Gesicht der Zukunft. Zum Interview
Vorsorgeatlas Deutschland
5. August 2009 Der Rentenexperte Bernd Raffelhüschen vom Forschungszentrum für Generationenverträge an der Universität Freiburg stellt den Vorsorgeatlas Deutschland vor. Die Erkenntnisse sind Weckrufe: Bis zu 44 Prozent der Deutschen droht selbst bei einer Kombination aus gesetzlicher Altersversorgung und Riester-Rente ein massiver Wohlstandsverlust. Vor allem für junge Altersgruppen gilt: Die staatlich garantierte Rente sichert keineswegs gegen eine Unterversorgung im Alter ab. Dazu kommen beträchtliche regionale Unterschiede zwischen Nord und Süd. Zum Atlas
The challenge of turning malcontents into (sensible) militants
30. Juli 2009 Der Economist beschäftigt sich mit der gegenwärtigen Krise der Mitte-Links-Parteien, deren ganzes Ausmaß bei den Europawahlen im Juni zu Tage trat. Sinkenden Staatseinnahmen, die Problematik des Klimawandels, die Apathie der Wähler und die drohende Wiederkehr nationalistischer Ressentiments drängen Progressive in ganz Europa in die Defensive. Langfristig lohne es sich Ideale sozialer und ökologischer Erneuerung noch stärker zusammenzudenken, so wie es der Vorsitzender der griechischen Sozialisten auch in seiner Personalpolitik praktiziert hat - Papandreou war einer der wenigen sozialdemokratischen Gewinner der Europawahl. Aus den gleichen Gründen würde jedoch eine schwarz-grüne oder gar eine Jamaika-Koalition auf Bundesebene die SPD in Deutschland vor ein erhebliches strategisches Dilemma stellen. An einer überzeugenden Antwort auf die Frage, was soziale und ökologische Nachhaltigkeit eigentlich politisch ausmacht, kommen Progressive weniger denn je vorbei. Zum Artikel
Neue Alte werden zur globalen Herausforderung
27. Juli 2009 Im Guardian untersucht Ed Pilkington die Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten Studie der US-Behörde für Bevölkerungsstatistik, die das globale Ausmaß des demografischen Wandels deutlich machen: Bis zum Jahr 2040 gelte es, die Altersversorgung einer Milliarde Menschen zu sichern. Innerhalb der nächsten zehn Jahre werde es erstmals mehr 65-Jährige als Kleinkinder auf der Welt geben. Dieser Zuwachs speise sich zum einen aus der baby boomer-Generation, die nach dem zweiten Weltkrieg geboren wurde. Zum anderen habe der medizinische Fortschritt die Alterssterblichkeit auf ein historisch niedriges Niveau abgesenkt. Gerade in Europa, wo bis 2040 jeder vierte Bürger älter als 65 sein wird, müssen Politiker die vielfältigen Herausforderungen frühzeitig angehen. Die Zukunft der Alterssicherung steht auf tönernen Füßen. Aber auch Familien und Einzelpersonen stehen vor enormen Aufgaben: Vor allem die höhere Lebenserwartung von Frauen verstärke deren Risiko, im Alter einsam und auf sich allein gestellt zu leben. Zum Artikel

