Die internationale und nationale Debatte über Ungleichheit

2018 | Manuel Gath, Joschua Helmer

Manuel Gath und Joschua Helmer haben die deutsche und internationale Debatte über Ungleichheit anhand von ca. 500 Medienberichten ausgewertet. Das Ergebnis: in Deutschland wird Ungleichheit eher abstrakt definiert und bleibt auf Ebene der Problemdefinition. Während sich Parteien kaum an der Problemidentifikation beteiligen, dominieren die deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute den Diskurs. Im internationalen Kontext ergab sich ein gänzlich anderes Bild.


Obwohl sich in Deutschland ein Vertrauensverlust in die Soziale Marktwirtschaft bemerkbar macht, droht die nationale Debatte über Ungleichheit den Anschluss zu verlieren. Sowohl polarisiert als auch politisiert, kommt diese über grundlegende definitorische Fragen kaum hinaus.

Akteure der Auseinandersetzung – Forschungsinstitute, Parteien, Journalisten – tendieren dazu, empirische mit normativen Ansätzen zu vermischen: Ungleichheit wird entweder als steigend/negativ oder als sinkend/positiv wahrgenommen. Argumente werden weitgehend an klassischen Indikatoren von Einkommens- und Vermögensungleichheit festgemacht.

Im Gegensatz hierzu ist die internationale Debatte, geführt insbesondere von OECD und IWF sowie einzelnen Wissenschaftlern, bereits weiter. Deren Arbeit beweist empirisch, dass die Ungleichheit in den Industrienationen seit den 1980er-Jahren ansteigt. Wirtschaftswachstum bei gleichzeitiger hoher gesellschaftlicher Ungleichheit wird aufgrund negativer sozialer und politischer Folgen als nicht nachhaltig wahrgenommen. Daher haben diese Institutionen Inklusives Wachstum auf die Agenda gesetzt.

Die Studie entstand im Projekt Produktivität für Inklusives Wachstum der Bertelsmann Stiftung.

Die vorliegende Studie nimmt eine quantitative und qualitative Analyse der deutschen Debatte anhand der Auswertung von ca. 500 Medienberichten im Zeitraum 2015-2017 vor. Stark bestimmt von den deutschen Wirtschaftsforschungsinstituten, wird Ungleichheit eher abstrakt definiert und bleibt auf Ebene der Problemdefinition. Parteien beteiligen sich an der Problemidentifikation kaum; politische Vorschläge sind selten konkret auf Ungleichheit bezogen.

Weniger normative Positionen der Akteure wären wünschenswert. Statt die Verteilungsfrage als „Klassenkampf“ zu sehen, sollten diese die gemeinsamen Ziele nachhaltigen Wirtschaftswachstums, einer integrierten Gesellschaft und intakter demokratischer Prozesse im Blick haben. Die Akteure sollten die Diskussion um Ungleichheit zur Erneuerung der Sozialen Marktwirtschaft für das 21. Jahrhundert nutzen.

Ich möchte die Studie lesen

 

 

Interessiert an der Zukunft der Demokratie?

 


Manuel Gath war von Januar 2015 bis Mai 2018 Project Manager bei Das Progressive Zentrum mit dem Schwerpunkt Strukturwandel & Inklusives Wachstum. Vor seiner Zeit bei Das Progressive Zentrum sammelte er praktische Erfahrungen im Bundestag, dem Hessischen Landtag, dem Europaparlament sowie dem Bundeswirtschaftsministerium.

Joschua Helmer war Project Assistant bei Das Progressive Zentrum und ist als freiberuflicher Politikforscher tätig. Er studierte Sozialwissenschaften in Düsseldorf sowie Soziologie in Cambridge und publiziert zu demokratischen Konflikten. Vor seiner Zeit bei Das Progressive Zentrum sammelte er u. a. Erfahrung im Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und in der Wirtschaftsabteilung des Auswärtigen Amts.