Mit der Online-Plattform “iChange Europe” möchte das Progressive Zentrum gemeinsam mit ausgewählten europapolitischen Partnerorganisationen einen Beitrag für eine kritisch-konstruktive Debatte über die Zukunft Europas leisten. Hier hat das Progressive Zentrum gemeinsam mit der Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa die überparteiliche Online-Mobilisierungskampagne “iChange Europe” gestartet. Im Fokus der durch die Stiftung Mercator geförderten Kampagne unter Schirmherrschaft von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier standen dabei vor allem Jung- und Erstwähler.



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Europa & die Welt Debattenbeitrag Wir haben es in der Hand!
29. April 2014 | Herr und Speer

Jetzt geht das schon wieder los! Überall hängen Wahlplakate, grinsen Politiker, und all jene die es werden wollen, uns an den Ampeln entgegen. Die Zeit der großen Sprüche und Ansagen ist zurück. Aber Moment, welche Wahl ist das jetzt überhaupt? Stimmt, da war ja noch was, Europawahl. – Diese Gedanken kommen uns allen womöglich gar nicht so fremd vor. Die Wahl zum europäischen Parlament ist nicht gerade ein Kassenschlager. Gerade einmal 43% der EU Bürger gaben bei der vergangenen Wahl ihre Stimme ab. Ein nicht gerade berauschender Wert. Dabei wiegt unsere Stimme doch so viel! Diese Erkenntnis, neben so manch anderer, steht am Ende einer langen Reise, die uns, Vincent-Immanuel Herr und Martin Speer über 13.000 Kilometer durch 14 europäische Staaten führte. Über sechs Wochen waren wir in diesem Frühjahr quer über den Kontinent auf den Spuren unserer Generation unterwegs. In über 200 Gesprächen mit jungen Europäern zwischen 18 und 36 Jahren haben wir unseren Altersgenossen und dem jungen Kontinent am Puls gefühlt. Von Schweden bis nach Spanien, von Griechenland bis in die Ukraine. Dabei ist uns insbesondere eine Entwicklung mit Blick auf die kommende Europawahl aufgefallen.

Das Schweigen der Jungen
Manche Dinge lassen sich nicht beschönigen. Die Situation junger Menschen im Süden Europas ist, trotz erster EU Hilfe aus Brüssel, immer noch dramatisch. Ökonomisch, wie moralisch. In Spanien, Italien und Griechenland, Ländern mit jeweils über 40% Jugendarbeitslosigkeit, blickt eine ganze Generation relativ perspektivlos in die Zukunft. Auch in Frankreich und Großbritannien verschärft sich der wirtschaftliche Druck für junge Menschen. Die konkreten Folgen dieser nun mehr seit Jahren andauernden Negativentwicklung haben uns auf unserer Reise tief bewegt. Denn hinter allen Statistiken stehen immer Menschen und ihre Schicksale, ihre Ängste und Hoffnungen. Die Mehrzahl unserer Gesprächspartner in den südlichen EU-Staaten sieht keine Perspektive mehr in ihrer Heimat und will nach Ausbildung oder Studium das Land verlassen. Dabei liegt der Antrieb dafür nicht nur in der schwierigen Arbeitsmarktsituation, sondern auch im Gefühl nichts in der Heimat verändern zu können.Politisch, wie gesellschaftlich seien die Zustände zementiert, hören wir oft. Korruption und Machteliten seien einfach nicht zu bekämpfen. Der organisierte Protest und Aufstand gegen den Status-Quo ebte in dem Maß ab, wie die Verzweiflung wuchs. Es ist still um Europas Jugend geworden. Mit dem Rückzug in die Privatheit und Digitalität, kam auch der weiter voranschreitende Rückzug aus der politischen Sphäre. Warum sollte es auch anders sein? Proteste, Manifeste und Online-Petitionen blieben ohne Wirkung, europaweit. Die Entwicklung scheint schlüssig, die Kausalkette absolut natürlich. Doch bei aller Nachvollziehbarkeit bleibt festzuhalten: Das Schweigen der Jungen schadet Europa und jedem Nationalstaat zutiefst. Zukunftsorientierte Reformen, Bildungsinvestitionen und der ernsthafte Kampf gegen Korruption bleiben auf der Strecke. Ganz einfach, weil sie niemand ernsthaft einfordert. Das bestätigt wiederum junge Menschen in Ihrem Glauben Veränderung und Fortschritt sei durch ihr Zutun nicht möglich. Diesen Kreis gilt es zu durchbrechen. Und es gibt jungen Menschen die genau das tun! In Italien trafen wir auf jungen Menschen, die trotz harter Umstände, nicht ihre Heimat verlassen und mit Aktionen und Bündnissen dem festgefahrenen Zustand den Kampf ansagen. In Griechenland begegneten uns Jungunternehmer, die mit Leidenschaft, Mut und Intelligenz, Geschäftsideen entwickeln, Gelder dafür im Ausland beschaffen und lokal investieren. Und in Polen sprachen wir mit klugen, selbstbewussten Frauen, die einen sehr reflektierten Blick auf die Gesellschaft haben und öffentlich darüber sprechen. All diese jungen Menschen zeigen, Veränderung ist möglich, wenn wir, die Jungen, es denn wirklich wollen. Und sie ist nicht nur möglich, sondern auch nötig. Die kommende Europawahl bietet eine ganz konkrete Möglichkeit diese Veränderung einzufordern. Das wissen darum, dass viele junge Menschen in Europa gerade eine harte Zeit durchmachen sollte uns anstiften unter allen Umständen am 25. Mai unsere Stimme abzugeben. Denn Europa, diese großartige Idee und Realität, braucht uns.



















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